Unvorhersehbares gibt es in der transparenten Lebensmittelwelt dieser Tage kaum noch. Auf den Kartoffelsäcken steht genau, für welche Zubereitungsarten die jeweilige Sorte geeignet ist, bei den Olivengläsern wird sicherheitshalber das Abtropfgewicht angegeben, und die Fischpackung warnt vor Gräten. Aber ein ganz spezielles Überraschungsei gibt es dann doch noch: die Avocado. Zwar ist auch sie oft mit Hinweisen wie „vorgereift“ oder „essreif“ ausgezeichnet, aber so ganz sicher kann man sich nicht sein. Gewissheit, ob sie noch zu hart ist oder doch schon zu weich, verspricht nur der Drucktest. Aber der beschädigt die Frucht, was sie wiederum unattraktiv macht. Die Messung des Ergebnisses also beeinträchtigt dieses, und auf einmal stehen die armen Kundinnen und Kunden vor einer philosophisch-physikalischen Herausforderung. Eben noch Preisvergleich im Chips-Regal, jetzt schon Heisenberg‘sche Unschärferelation.

Helfen sollen in Supermärkten aufgestellte Infrarot-Scanner, mit denen die Kunden die Avocados durchleuchten können. Innerhalb von Sekunden verrät das Gerät, ob die Frucht sich eher zum in Scheiben Schneiden eignet (Salat) oder zum Zerdrücken (Guacamole). Im Vereinigten Königreich sind die Scanner bei der Supermarktkette Tesco seit Wochenbeginn im Einsatz, in fünf der knapp 3000 Filialen. Ähnliche Vorstöße gibt es in diversen Ländern. In Deutschland sind solche Scanner bereits in ausgewählten Rewe- und Edeka-Märkten zu finden.