PfadnavigationHomePolitikAuslandSteuerskandalRegierungskrise in London – Vize-Premierministerin tritt zurückVeröffentlicht am 05.09.2025Lesedauer: 4 MinutenLabour-Politikerin Angela RaynerQuelle: AFP/OLI SCARFFIm Zuge eines Hauskaufs zahlte sie zu wenig Steuern. Deshalb hat die britische Vize-Premierministerin Angela Rayner ihren Rücktritt eingereicht. Nigel Farage zeigte sich erfreut – seine Reform-Partei ist der große Gewinner der Polit-Turbulenzen.Großbritannien steckt in einer Regierungskrise mit ungewissem Ausgang. Grund ist die seit Tagen schwelende Steueraffäre der stellvertretenden Premierministerin. Vizeregierungschefin Angela Rayner erklärte am Mittag ihren Rücktritt, und noch während Premierminister Keir Starmer an einer Kabinettsumbildung arbeitete, erklärten sich die Rechtspopulisten zum großen Gewinner der turbulenten Stunden. Wegen der „Nachricht aus Westminister“ zog Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage seine Rede bei der Jahreskonferenz seiner in Umfragen führenden Reform-Partei zeitlich vor. Es sei klar, dass ein Kabinett voller „unqualifizierter Personen“ das Land führe. Starmers Regierung sei „genauso schlecht, wenn nicht sogar schlechter“ als die vorausgegangene der Konservativen.Starmer reagiert mit PersonalrochadeFür Starmers sozialdemokratische Labour-Partei ist der Rücktritt Rayners ein massiver Rückschlag. Seine Regierung ist ohnehin wegen einer stotternden Wirtschaft, steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Unzufriedenheit über hohe Einwanderungszahlen unter Druck.Die Regierung war auch schon zuvor wegen einer stotternden Wirtschaft, steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Unzufriedenheit über hohe Einwanderungszahlen unter Druck geraten. Die Rayner-Affäre löste ein weiteres Beben aus, auf das Starmer mit einer großen Personalrochade reagierte.Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird der bisherige Außenminister David Lammy der Nachfolger von Rayner als Vize, er übernimmt das Justizministerium. Neue Außenministerin wird demnach die bisherige Innenministerin Yvette Cooper, deren Posten die bisherige Justizministerin Shabana Mahmood bekommt.„Ich übernehme die volle Verantwortung für diesen Fehler“, schrieb die Labour-PolitikerinRayner, 45, galt als Galionsfigur des linken Parteiflügels und als Hoffnungsträgerin einer Partei, die in den Umfragen derzeit schwächelt. Zum Verhängnis wurde ihr, dass sie zu wenig Grunderwerbsteuer bezahlt hatte. In einer unabhängigen Untersuchung war ihr nun auch offiziell bescheinigt worden, dass sie die ethischen Standards für Regierungsminister nicht erfülle. Rayner hatte am Mittwoch zugegeben, bei einem Hauskauf an der Südküste Englands nicht genug Steuern entrichtet zu haben. In Medienberichten war die Rede von bis zu 40.000 Pfund, die die aus der Arbeiterschaft stammende Rayner so gespart haben könnte. Rayner sagte, in dem Bericht werde ihr zugutegehalten, dass sie in gutem Glauben gehandelt habe. Sich selbst lastete sie an, keinen detaillierten steuerlichen Rat eingeholt zu haben. „Ich übernehme die volle Verantwortung für diesen Fehler“, erklärte sie in ihrem Rücktrittsschreiben an Premierminister Keir Starmer am Freitag. Lesen Sie auchDie Labour-Politikerin war in der britischen Regierung ausgerechnet für das Wohnungsbau-Ressort zuständig. Häufig hatte sie dabei Menschen kritisiert, die vorsätzlich Steuerhinterziehung begingen. Die Opposition warf ihr deshalb Heuchelei vor. Die dreifache Mutter – ihr erstes Kind bekam sie bereits als Teenagerin – gilt als schlagfertige und begabte Politikerin, die keine Auseinandersetzung scheute. Gelegentlich schoss sie dabei übers Ziel hinaus, etwa als sie die politischen Gegner von der Tory-Partei als „Abschaum“ bezeichnete – und sich entschuldigen musste. Glaubwürdigkeit in der britischen Arbeiterpartei verlieh ihr vor allem ihr bescheidener Hintergrund. Rayner wuchs mit einer psychisch kranken Mutter in einer Sozialwohnung auf und hat sich mit viel Fleiß in einer Gewerkschaft nach oben gearbeitet. Auch ihr nordenglischer Dialekt trug zu diesem Ruf bei. Sie ist mit 45 Jahren bereits Großmutter. Profiteur der Krise ist Rechtspopulist FarageVon politischen Gegnern wurde Rayner auch immer wieder zum Ziel sexistischer Vorwürfe. So berichtete die Boulevardzeitung „Mail on Sunday“ einmal, Abgeordnete der Konservativen Partei hätten sich darüber beschwert, sie habe versucht, den damals noch konservativen Premierminister im Parlament mit ihren Beinen zu irritieren. Die Episode löste eine Debatte über Sexismus in der britischen Politik aus. Rayner erhielt damals viel Rückendeckung – auch von Politikerinnen des gegnerischen Lagers. Umso größer war nun die Enttäuschung über die Steueraffäre. Der Rücktritt der Politikerin ausgerechnet am ersten Tag der Reform-Konferenz passte dem politischen Gegner derweil bestens ins Bild. Farage ließ sich auf dem Messegelände in Birmingham mehrfach feiern. Sein erster Auftritt auf dem Podium wurde von Pyrotechnik begleitet.Der 61-jährige Brexit-Vorkämpfer treibt die Regierung schon seit Monaten vor sich her. In „100 Umfragen“ sei Reform zuletzt die stärkste Partei gewesen, behauptete er. Im britischen Mehrheitswahlrecht wird die landesweit stärkste Partei jedoch nicht zwangsläufig zur stärksten Fraktion im Parlament. „Es passiert“, rief Farage während seiner Rede mit Blick auf den Rayner-Rücktritt seinen Anhängern zu. Starmers Regierungskurs hatte er immer wieder scharf kritisiert oder ins Lächerliche gezogen. Jetzt geht Farage von Neuwahlen bereits 2027 statt 2029 aus. AP/dpa/dol/krott/ceb
Angela Rayner: Britische Vize-Premierministerin tritt wegen Steueraffäre zurück - WELT
Im Zuge eines Hauskaufs zahlte sie zu wenig Steuern. Deshalb hat die britische Vize-Premierministerin Angela Rayner ihren Rücktritt eingereicht. Nigel Farage zeigte sich erfreut – seine Reform-Partei ist der große Gewinner der Polit-Turbulenzen.











