PfadnavigationHomeICONISTModeGiorgio Armani (†)Bis zum Ende Schneider seiner WeltVeröffentlicht am 12.09.2025Lesedauer: 4 MinutenDer Modemacher Giorgio Armani ist tot. Der Besitzer des gleichnamigen Milliardenkonzerns starb im Alter von 91 Jahren, wie das Modehaus in den sozialen Medien mitteilte. Er habe bis zu seinen letzten Tagen gearbeitet und sei nun im Kreise seiner Liebsten gestorben.Giorgio Armani befreite Jacken von Futter und Polster und prägte eine neue Eleganz. Sein Erfolg verlieh der italienischen Mode Auftrieb. Bis zuletzt weigerte er sich seine Marke zu verkaufen. Lieber arbeitete er weiter, härter und länger. Ein Nachruf.Bis zur letzten Minute legte er Hand an. Steckte ein Kleid ab, rückte einen Hut zurecht, kontrollierte eine Hosenlänge, oder glättete einen Jackenärmel. So kannte man Giorgio Armani vor jeder Modenschau: Immer im Einsatz, immer in Kontrolle. Bis das erste Model den Laufsteg betrat. Und sobald das letzte Model den Laufsteg verließ, trat er heraus, dem tosenden Applaus entgegen. Am 28. September hätte er mit einer Modenschau und Party in Mailand das 50. Jubiläum seines Hauses gefeiert. Nun ist Giorgio Armani im Alter von 91 Jahren gestorben. Er sei „in Frieden und umgeben von geliebten Menschen von uns gegangen“, verkündete das Haus am Nachmittag. „Unermüdlich bis zum Ende“ habe er „auch in seinen letzten Tagen gearbeitet“, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Mit ebendieser Arbeitsmoral baute Armani eines der wenigen Modehäuser auf, das es an Bekanntheit mit Megamarken wie Coca-Cola oder Mercedes aufnehmen kann, ein Luxusunternehmen, das von Kleidung über Einrichtung hin zu Pralinen, Blumen, Gastronomie und Hotels die unterschiedlichsten Lebens- und Geschäftsbereiche bediente. Geboren am 11. Juli 1934 in Piacenza startete Armani zunächst ein Medizinstudium, brach es ab, versuchte sich stattdessen als Schaufensterdekorateur und arbeitete später beim Kaufhaus Rinascente. Es folgte eine prägende Zeit im Atelier des Herrenschneiders Nino Cerruti, für den Armani die Entwürfe der Linie Hitman entwarf. 1974 gründete er gemeinsam mit seinem damaligen Lebens- und Geschäftspartner Sergio Galeotti die eigene Marke, zeigte erst eine Herrenmodekollektion und ein Jahr später die ersten Damenentwürfe. Für beide definierte er eine Linie, die seine Ästhetik bis heute auszeichnet: Er trennte Jacken von Futter und Polster, favorisierte fließende Materialien und weichere Silhouetten ebenso wie neutrale und ruhige Farbtöne wie grau, taupe, oder beige. Die Frauenmode bediente sich bei den Jacketts, Krawatten und Hosen der Männer und erhielt sich gleichzeitig eine unkomplizierte wie feminine Eleganz. Lesen Sie auchMänner durften in Anzügen von Giorgio Armani mehr Figur zeigen, mehr atmen – und mehr Spaß haben: Richard Geres Auftritt als exzellent gekleideter Callboy im Filmklassiker „Ein Mann für gewisse Stunden“ aus dem Jahr 1980, ausgestattet von Armani, gilt bis heute als Wendepunkt in der Beziehung zwischen Kino und Mode. Weil der Look so einflussreich war aber auch, weil Armani bewies, wie viel Einfluss Mode auf das Image eines Films und seiner Darsteller haben kann. Als Jodie Foster bei ihrer ersten Oscar-Verleihung 1988 für ihren Look zerrissen wurde, bot das Armani-Team an, sie einzukleiden. Foster schaffte es von der „Worst Dressed“- auf die „Best Dressed“-Listen. Viele weitere Stars taten es ihr nach, von Julia Roberts über Kim Basinger bis Robert De Niro, sodass das Branchenblatt „Women’s Wear Daily“ 1990 von den Oscars als die „Armani Awards“ schrieb. Kein roter Teppich kommt heute ohne mehrere Armani-Looks aus, und Stars wie die Markenbotschafterin Cate Blanchett sitzen regelmäßig in der ersten Reihe. Die „Powersuits“ der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni? Von Armani, naturalmente. Armanis Erfolg gab auch der gesamten italienischen Mode Antrieb, die nach dem Zweiten Weltkrieg zwar auf ein breites Handwerkwissen und unzählige Handwerker und Manufakturen zählen konnte, aber anders als in Frankreich keine großen Couturiers hatte. Armani stand an der Spitze einer neuen Generation italienischer Designer, die mit neuer Lässigkeit und Sexyness auf die Pariser Couture-Tradition antwortete. Und „Re Giorgio“, der König Giorgio, blieb er über 50 Jahre, nicht nur aufgrund seines Designtalents. Lesen Sie auchArmani, der Geschäftsmann, weigerte sich stets, sein Unternehmen zu verkaufen, sondern arbeitete lieber weiter, härter, und länger, beaufsichtigte jede Shop-Eröffnung und winkte jeden Stuhl ab, der seinen Namen trug. „Nur ich weiß, was ich will und meine Botschaft muss konsistent sein, vom Anfang bis zum Ende“, sagte er 2005 „Women’s Wear Daily“. Die konsistente Botschaft hat ihn weltberühmt und sehr reich gemacht. 2023 verzeichnete die Armani-Gruppe Einnahmen von über 2,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Juni hätte Armani bei den Modenschauen für seine Herrenlinien der beiden Marken Giorgio Armani und Emporio Armani auftreten müssen. Dass er den Events am Ende aufgrund gesundheitlicher Probleme fernblieb, werteten viele als Zeichen dafür, wie schlecht es ihm gehen musste. Giorgio Armani, der bei Fragen nach seiner Nachfolge stets den Namen seines Head of Menswear Leo Dell’Orco sowie anderer Familienmitglieder ins Spiel brachte, war im Grunde das einzige wirklich wichtige Gesicht des Unternehmens, das er aufgebaut hatte. Bis zum Schluss. Noch am vergangenen Wochenende erschien er auf dem Cover des Magazins „HTSI“ der „Financial Times“. Es war das letzte Interview vor seinem Tod.