Für sie: Gestrig

Alexa Chung macht bei Festivals eigentlich nie was falsch. Sie ist, wegen ihrer Army-Parkas über Seidennegligés, so etwas wie die Glastonbury-Stilikone. Aber Festival ist nicht gleich Festival, und ein teures Nachthemd funktioniert nicht überall, wie wir hier auf dem roten Teppich von Venedig sehen. Die klobigen Plateauschuhe zum knöchellangen Kleid wirken plump, der rustikale Messing-Modeschmuck als Diamantenersatz hat broke vibes, und die schwere Kettentasche am Rücken mit baumelndem Gedöns über der Schulter hat in einer Galasituation so viel zu suchen wie eine Strasssandale am Strand.

(Foto: Pascal Le Segretain/Getty Images)

Klar, mit Looks für den roten Teppich ist es schwierig. Man will nicht mehr mit Hochsteckfrisur und langer Glitzerrobe aufschlagen, weil das schnell barbiemäßig gestrig wirkt. Aber dieser Nullerjahre-Gedenklook und diese unfrisierten und viel zu dunklen Haare sind auch nicht die Lösung. Dass das It-Girl des letzten Jahrzehnts versucht, mit dieser scheinbaren Lässigkeit den Dresscode zu brechen, um ihrem Ruf gerecht zu werden, ist logisch. Dabei hat sich Alexa Chung das Outfit noch nicht mal selbst ausgedacht, auch nicht ihr Stylist: Der Look kommt von Kopf bis Fuß vom Laufsteg von Chloé, nur die schreckliche Messingkette ist kürzer und die Tasche kleiner geworden. Um als Stilikone zu überleben, sind also zwei Dinge elementar: Alte Style-Tricks müssen spätestens nach Ablauf eines Jahrzehnts entsorgt werden (tschüss, Seidennegligé), der Friseur aber auf gar keinen Fall. Der hat nämlich die richtige Haarfarbe notiert.