Die Zahl der unerledigten Fälle auf den Schreibtischen der deutschen Staatsanwälte wächst nach Angaben des Deutschen Richterbundes weiter. Zur Jahresmitte hat sie sich demnach auf knapp 964 000 Verfahren bundesweit erhöht. Damit sind im ersten Halbjahr 2025 nochmals etwa 13 000 offene Fälle bei den Behörden hinzugekommen.

Die Zahlen gehen auf eine Umfrage bei den Justizverwaltungen der Länder zurück, die die vom Richterbund herausgegebene Deutsche Richterzeitung gemacht hat. Berücksichtigt wurden dabei nur die Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte, wie es hieß.

Laut Richterbund blieb auch die Zahl neuer Verfahren bei den Staatsanwaltschaften auf Rekordniveau: In den ersten sechs Monaten 2025 kamen mehr als 2,7 Millionen neue Fälle auf die bereits bestehenden Aktenberge hinzu. „Im Ergebnis ziehen sich viele Strafverfahren in die Länge und Verfahrenseinstellungen nehmen zu“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Richterbundes, Sven Rebehn.

Das Problem ist nicht neu, genauso wenig wie die Klagen der Justiz über diesen Missstand. Als einen Grund sieht der Richterbund die wachsende Zahl von Anzeigen wegen Hass und Hetze im Netz, aber auch zahlreiche Drogenverfahren. Hauptursache ist jedoch der Mangel an Personal in den Staatsanwaltschaften. Im Jahr 2019 schloss die damalige schwarz-rote Bundesregierung mit den Ländern einen „Pakt für den Rechtsstaat“ und unterstützte sie in der Folge finanziell, um neue Stellen für Richter und Staatsanwälte zu schaffen. Die Ampelkoalition setzte den Pakt fort, legte aber mehr Wert auf Zuschüsse für die Digitalisierung der Justiz.