Ein neues Kapitel wird bald beginnen für die First-Nations-Menschen Australiens im Kampf um ihre Rechte. Dessen ist sich der Anwalt und Minderheitenvertreter Geoffrey Winters sicher. Er dürfte dabei selbst eine Führungsrolle übernehmen, denn er gehört zu einer neuen Generation von gebildeten, bestens vernetzten Karriere-Aboriginals, die das Zeug dazu haben, den Kampf gegen die sozialen Nachteile der Ureinwohner auf die nächste Ebene zu heben.
Jedenfalls wirkt er optimistisch. Die deutliche Niederlage beim Referendum um mehr parlamentarische Mitsprache für die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner im Oktober 2023 ist nicht vergessen. Und Geoffrey Winters, 36, ist sicher keiner, der die Herausforderung unterschätzt nach all den Erfahrungen, die er als Fremder im eigenen Land schon sammeln musste. Aber aufzugeben ist ja auch keine Lösung beim Bemühen, die Langzeitfolgen der Kolonialisierung aufzuarbeiten.
Die Aboriginals tragen auch im Alltag eine kulturelle Last
Identität verpflichtet, das weiß Winters seit seiner Jugend. Seine Mutter ist weiß, sein Vater ein Aboriginal vom Volk der Gamillaroi. Den Themen der Ungleichheit konnte er nie ausweichen. Seine Großmutter bekam erst mit 31 das Wahlrecht, wie der Sender SBS mal berichtete. Geoffrey Winters selbst wurde in der Schule abschätzig als „Abo“ bezeichnet wegen seiner Wurzeln. Und immerzu sollte er seine Meinung sagen zu Ureinwohnerdebatten, zum Australia Day, der die Ankunft der Briten auf dem Kontinent feiert, zur willkürlichen Eroberung des alten Landes, zur andauernden Diskriminierung. „Wir nennen das Cultural Load“, kulturelle Last, sagt Winters. Es ist eine zusätzliche Verantwortung, die Australiens Indigene als Vertreter ihrer Minderheit aushalten müssen.









