Gäbe es über der Westkurve im Grünwalder Stadion ein Dach – sie hätten es abgerissen. Eineinhalb Stunden Frust entluden sich am Samstagnachmittag in diesem Knall, der um kurz vor 16 Uhr durch ganz Giesing hallte. Die letzten Bemühungen der Löwen-Offensive brachten tief in der Nachspielzeit (90 + 7.) den 1:1-Ausgleichstreffer von Sigurd Haugen gegen ein aufopferungsvoll kämpfendes Nachwuchsteam des VfB Stuttgart.
Es war die Poesie der puren Verzweiflung, ein wunderschönes Zufallsprodukt durch die 16. (!) und letzte Ecke in einem seltsamen Fußballspiel: Der Ball fiel nach Hackenpass von Abwehrboss Jesper Verlaat vor die Füße von Haugen, der schoss punktgenau auf den Hintern eines Teamkollegen, schoss noch mal – und jagte den Ball in den Winkel. Was folgte, war Ekstase mit einer Prise Erleichterung. Kurze Zeit später sackten Haugen und Co. auf dem Rasen zusammen, ausgelaugt, fertig, aber auch heilfroh, dass sie diesen einen Knall in allerletzter Sekunde noch gezündet hatten.
Hätte man nur die Minuten nach Abpfiff betrachtet, könnte man auf die Idee kommen, es sei alles gut gewesen beim TSV 1860: Die Mannschaft drehte die Runde durchs Stadion, applaudierte den Fans, während diese „Einmal Löwe, immer Löwe“ skandierten. Doch das 1:1 gegen die zweite Mannschaft des VfB hatte Nerven gekostet. Nach dem späten Sieg in Aachen aus der Vorwoche mussten sich die Löwen erneut auf die Nachspielzeit und auch ein wenig auf Kommissar Zufall verlassen. Über weite Strecken des Spiels hielt die junge Gruppe aus dem Ländle, die ohne Verstärkung aus dem Bundesligakader nach München gereist war, die Gastgeber vom eigenen Tor fern. „Ich bin überglücklich, dass wir noch das 1:1 machen konnten. Aber wir haben uns mehr vorgenommen. Spielerisch muss da noch eine Schippe mehr draufkommen“, meinte David Philipp kurz nach Spielende. Vor allem mit dem ersten Durchgang zeigte sich der 25-Jährige nicht zufrieden.







