Maia Sandu wartet nicht allein. 20 Ehrengardisten in festlichen weißen Uniformen, bewaffnet mit Bajonetten, säumen die Treppe hinauf zum Präsidentenpalast. Als Friedrich Merz seiner dunklen Limousine entsteigt, erklingen Fanfarenklänge. Entschlossen schreitet der Bundeskanzler den roten Teppich entlang, reicht der Gastgeberin zunächst die Hand und hat dann wohl das Gefühl, dass das nicht reicht. Küsschen links also und Küsschen rechts.

Ein flüchtiger Moment ist das, ein Moment der Vertrautheit, der aus dem hochoffiziellen Rahmen fällt und gerade deshalb der moldauischen Präsidentin gelegen kommen könnte. Es ist ihr Tag. Gleich wird der polnische Ministerpräsident Donald Tusk über den Teppich schreiten, ein paar Minuten später, wie stets als Letzter, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Die drei Männer sind gekommen, um zum Nationalfeiertag zu gratulieren. Sie sind entschlossen, das ausgiebig zu tun – was mit der Republik Moldau zu tun hat, aber mindestens so viel mit Europa.

Bei der Wahl befürchtet Sandu eine massive Einmischung durch Russland

Das moldauische Parlament hatte am 27. August 1991 die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt. Seitdem wird der Tag in dem kleinen Land mit kaum mehr als zwei Millionen Einwohnern als Unabhängigkeitstag begangen. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, wohl aber einen russischen Gewaltherrscher, der ihren Untergang betrauert und so viel wie möglich vom alten Imperium wieder errichten will. Das kleine Moldau grenzt an die Ukraine, die seit 2022 von Russland mit einem Angriffskrieg überzogen wird. Wladimir Putins Versuch, die EU an ihrer Peripherie zu destabilisieren, müsse auch und gerade in Moldau gestoppt werden, darin sind sich die drei Moldau-Reisenden einig.