PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungBayern und die NordseeWarum Markus Söder wirklich nach Helgoland reistVeröffentlicht am 26.08.2025Lesedauer: 3 MinutenMarkus Söder reist auf Einladung von Helgolands Bürgermeister Thorsten Pollmann und der Tourismusdirektorin Katharina Schlicht auf die Nordseeinsel. Den Ausschlag gab eine „humorvolle Bemerkung“ Söders.Ginge es nach dem Länderfinanzausgleich, müssten Sylt und Helgoland längst bayerisch sein, findet Markus Söder. Bayerns Ministerpräsident macht sich bei einem Besuch an der Nordsee selbst ein Bild – mit einem Hintergedanken.Es ist fast ein Staatsbesuch. Bürgermeister Thorsten Pollmann fährt seinem Gast extra entgegen, um ihn schon bei der Überfahrt zu betreuen. Für die Ankunft im Insel-Hafen sieht das Protokoll vor: „Lautes Hupen der Schiffshupe zur Begrüßung des bayerischen Ministerpräsidenten.“ Richtig, Markus Söder besucht Helgoland. Und das natürlich nicht still und leise, sondern mit bayerisch-barocker Wucht.Was bezweckt Söder mit dem Besuch? Natürlich sucht der CSU-Chef die schönen Bilder. Ein Bayer auf Helgoland, Söder auf See, das vermarktet sich gut. Vermutlich geht es auch darum, mal wieder foto- und social-media-gerecht in aller Öffentlichkeit zu essen. Und dass Söder Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) eins auswischen will, mag eine Rolle spielen. Beide sind wie Hund und Katz’, so sehr, dass Söder den Amtskollegen vorab nicht über seinen Besuch informiert hat.Söder begründet den Trip so: Erstens sei er eingeladen. Was stimmt, denn wenn schon George Clooney und Taylor Swift nicht kommen, ist auch ein Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten eine schöne PR-Nummer für die Helgoländer. Und zweitens, so Söder, müsse man als Deutscher an zwei Orten gewesen sein: auf dem höchsten Punkt der Republik, „nämlich auf der Zugspitze, und auf der einzigen Hochseeinsel, die wir haben: Helgoland“.Das ist natürlich aus seinem Mund völlig unglaubwürdig. Denn jeder weiß, dass man aus bayerischer Sicht neben der Zugspitze höchstens auf der Insel Herrenchiemsee oder der Museumsinsel in München gewesen sein muss. Was also treibt Söder?Der witzig verpackte Trip hat einen harten politischen Kern. „Wenn es nach dem Länderfinanzausgleich geht, dann wären Sylt und Helgoland längst bayerisch“, hatte der Ministerpräsident vor einiger Zeit gefrotzelt. Das kann man als Gag abtun, aber seine Entourage verweist beim aktuellen Besuch genau auf dieses Zitat. Es geht um Symbolik – um bayerische Interessen, konkret ums Geld. Markus Söder will das Dauerstreitthema Länderfinanzausgleich in den Medien halten. Mit einer Story, die alle aufgreifen. Und dafür macht Söder diesmal sogar ein bisschen den Trump.Der US-Präsident hatte jüngst Ansprüche auf Grönland geltend gemacht. Nun kann bezweifelt werden, dass Donald Trump wirklich die größte Insel der Welt annektieren will. Aber Trump hat damit die strategischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen der USA im Nordpolarmeer angemeldet. Trump will einen Deal. Söder auch.Lesen Sie auchDenn Bayern ist der mit Abstand größte Zahler im Finanzausgleich der Länder. 9,77 Milliarden Euro waren es 2024; 6,67 im ersten Halbjahr 2025. Dagegen klagt Bayern, obwohl es das System selbst mit ausgehandelt hat. Nun hatte Söder angekündigt, die Klage fallenzulassen, wenn Bayern einen Nachlass bekommt. Im Gegenzug sei er bereit, die Schuldenbremse zu lockern. Dazu hat er tatsächlich mit Start der schwarz-roten Regierung beigetragen. Aber Bayern ist immer noch Zahlmeister Nummer eins in Finanzausgleich.Das will Söder nicht hinnehmen – und aus dem Transfer-System aussteigen. Und weil ihm das die anderen Länderchefs nicht glauben wollen, erinnert der bayerische Ministerpräsident daran – von der Zugspitze bis nach Helgoland.