Er hat es wirklich gesagt. Im Februar machte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seine Annexionspläne öffentlich, als er witzelte: „Wenn es nach dem Länderfinanzausgleich geht, dann wären Sylt und Helgoland längst bayerisch.“ Und der Mann meint das offenbar ernst. Denn jetzt kommt er tatsächlich. Söder hat sich aufgemacht, diese Inseln im Norden zu besuchen, die seiner Ansicht nach im Grunde zu seinem Einflussbereich gehören sollten.

Der Bürgermeister von Helgoland und die Tourismusdirektorin haben ihn nämlich eingeladen – sozusagen, um ihn milde zu stimmen. Also rollt man ihm den Teppich aus, zeigt Söder Dünen, Wind und Watt, während er vermutlich innerlich die Biergartenpotenziale der Strandbars taxiert und prüft, ob das Wattenmeer nicht doch zu einem Voralpensee erklärt werden könnte.

Denn ja, Bayern gibt und Schleswig-Holstein nimmt. Der Freistaat zahlt am meisten Geld in den Länderfinanzausgleich ein. Sehr großzügig sogar, wenn auch niemals ohne Hinweis auf die eigene Opferrolle. Söder, der Robin Hood aus Nürnberg, nur eben umgekehrt: Er nimmt den Reichen mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Vermögensteuer nichts weg, aber erinnert die Armen bei jedem Fernsehauftritt daran, wie viel sie ihm verdanken.