Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Menschen mehr erwartet hatten von Tommy Fleetwood. Rund um das 18. Grün des East Lake Golf Club in Atlanta hatten sich die Zuschauer zu einer alljährlichen Zeremonie des US-Golfsports eingefunden: In East Lake wird Ende August stets der Sieger des FedEx-Cup ermittelt, der Jahresrangliste der PGA Tour. Es gibt dafür einen Extrascheck über 10 Millionen US-Dollar, besondere Anerkennung, weil es eben nicht nur irgendein Turnier ist – und in der Regel folgen auf so einen Triumph dann große Jubelausbrüche, tränenreiche Interviews oder emotionale Familienfotos.

Golf lebt, wie überhaupt der Sport in den USA, davon, sich über diese Emotionen zu verkaufen, über eine große Show. Ein bisschen Hollywood schwingt immer mit bei der Inszenierung, die Erzählung einer großen Geschichte in geschluchzten Interview-Worten, mit Kind auf dem Arm und Ehefrau an der Seite. Und kaum eine Geschichte hatte sich länger angebahnt und war daher emotionaler als die des Engländers Thomas Paul Fleetwood, den alle nur Tommy nennen. Eines Spielers, der seit zwölf Jahren in den USA Profigolf spielt und die Emotionen immer von der Seite aus beobachten musste, weil er 163 Mal antrat und nie gewann. Bis zu diesem Sonntag in East Lake.