PfadnavigationHomeGeschichteCarl BarksSeine Bedeutung für das Donald-Duck-Universum kann gar nicht überschätzt werdenVeröffentlicht am 08.09.2025Lesedauer: 4 MinutenCarl Barks (1901–2000), der Vater EntenhausensQuelle: picture alliance/SZ Photo/amwEr gilt als der „Shakespeare des Enten-Universums“: Lange Zeit blieb Carl Barks hinter der Über-Marke „Walt Disney“ fast unsichtbar. Erst spät wurde sein Erzähl- und Zeichen-Genie weltbekannt. Dieser Umstand lehrte ihn eine Bescheidenheit, die heute selten ist.Der Vater von Donald Duck ist für viele immer noch Walt Disney. Doch Disneys Anteil an Donalds Werdegang ist überschaubar: Zwar erfanden er und Animator Dick Lundy die Figur, doch danach wurde Donald Duck von diversen Zeichnern weiterentwickelt.Disney selbst produzierte lediglich die Filme, in denen der berühmte Erpel seine ersten Auftritte hatte: Sein Zeichentrickfilm-Debüt hatte Donald Duck am 9. Juni 1934. In „Die kluge kleine Henne“ („The Wise Little Hen“) trat er als Nebenfigur auf, danach vor allem als Freund von Micky, bis er knapp drei Jahre später eine eigene Serie bekam. Einen festen Platz im allgemeinen Bewusstsein hat Donald heute aber vor allem als Comicfigur. Sein Erfolg in diesem Medium ist primär einem Mann zu verdanken: dem Zeichner und Texter Carl Barks, der am 25. August 2000 mit 99 Jahren starb.Lesen Sie auchDer 1901 geborene Barks wuchs als Sohn eines Farmers im US-Bundesstaat Oregon auf. Er schlug sich als Hilfsarbeiter durch, bevor er als Zeichner für verschiedene Zeitungen arbeitete. 1935 gelang ihm eine Anstellung beim Disney-Studio, wo man sein Talent erkannte und ihn nach kurzer Zeit in die Abteilung für Geschichten-Entwicklung versetzte. Hier arbeitete er in den folgenden Jahren fast ausschließlich an Kurzfilmen mit Donald Duck. Dabei sorgte er 1938 für den ersten Auftritt von Donalds Neffen Tick, Trick und Track (im Original: Huey, Dewey und Louie) und 1940 für das Debüt von Donalds Freundin Daisy.Lesen Sie auchAb 1942 betätigte sich Barks als Comiczeichner – wiederum mit Donald Duck als Hauptfigur. Donald war bereits seit 1936 in Zeitungscomics präsent, die aber nie mehr als vier Bilder umfassten. Barks’ Aufgabe war nun, ihn in längeren Geschichten auftreten zu lassen, und er löste sie mit Bravour. Dabei legte er eine erstaunliche Produktivität an den Tag: In seinen 24 Jahren als Duck-Zeichner war er nach neueren Auflistungen an 850 Comics beteiligt.Lesen Sie auchBarks war ein begnadeter Erzähler, der eine Vielzahl unvergesslicher Geschichten schuf. Er erfand die bis heute wichtigsten Figuren aus Donalds Umfeld: den ebenso reichen wie geizigen Onkel Dagobert (Scrooge McDuck, 1947), Donalds Nebenbuhler Gustav Gans (Gladstone Gander, 1947), die Panzerknackerbande (Beagle Boys, 1951), den genialen Erfinder Daniel Düsentrieb (Gyro Gearloose, 1952) und die Hexe Gundel Gaukeley (Magica de Spell, 1961).Spielten die ersten Geschichten noch in Burbank, dem Sitz der Disney-Studios, verlegte Barks sie schon 1944 in die von ihm erfundene Stadt Duckburg (auf Deutsch: Entenhausen), einen Ort, der es im Hinblick auf seine mythische Bedeutung durchaus mit Atlantis aufnehmen kann.Auffällig ist die von ihm betriebene Verfeinerung seiner Hauptcharaktere: War der Donald der Filme noch ein einfältiger Wüterich, avancierte er in Barks’ Comics zu einem liebenswerten Pechvogel. Donalds Neffen, die in den Filmen und Zeitungs-Strips als ungezogene Rabauken auftreten, machte Barks zu klugen Kindern, mit denen sich kleine Leser identifizieren können.Der in den ersten Geschichten noch sehr garstige und unsympathische Dagobert wurde nach und nach – wohldosiert – mit auch warmherzigen Zügen ausgestattet. Barks’ Bedeutung für das Duck-Universum, soviel wird deutlich, kann gar nicht überschätzt werden. Für diese bis heute aus der Populärkultur nicht wegzudenkende Comic-Reihe war er ungefähr so wichtig wie Shakespeare für die Geschichte des Dramas.Aber Barks war nicht nur ein großer Erzähler, sondern auch ein vollendeter Zeichner, der die Bewegungsabläufe seiner Figuren wie deren Mimik perfekt ins Bild setzen konnte. Den aufmerksamen Lesern blieb das nicht verborgen; aber da die Donald-Comics jener Jahre als Autorenvermerk nur die Marke „Walt Disney“ trugen, sprach man von ihm nur als dem „guten Zeichner“. 1966 ging Barks in den Ruhestand, malte aber ab 1971 noch mehr als hundert Ölbilder von Mitgliedern der Duck-Familie.Lesen Sie auchMittlerweile war sein Name bekannt geworden, und wenn er sich nun auch mit Bergen von Fanpost konfrontiert sah, versüßte ihm die überall sichtbare Anerkennung seines Schaffens seinen langen Lebensabend. Aus heutiger Sicht unterschätzte er sich dennoch gewaltig, wenn er seine Lebensleistung einmal wie folgt charakterisierte: „Manchmal denke ich, dass ich wohl etwas Besonderes gemacht habe; vielleicht sogar etwas, das beinahe Kunst war.“Eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Erfolg von Disney-Comics und damit von Barks’ Werk in Deutschland spielte übrigens Erika Fuchs (1906–2005). Jahrzehntelang übersetzte oder genauer: adaptierte sie die Originaltexte für die deutschen Micky-Maus-Hefte (seit 1951) und das „Lustige Taschenbuch“ (seit 1967) mit unverkennbarer, origineller Wortwahl, Anspielungen an klassische Literatur und lautmalerischen Inflektiven („grummel“, „ächz“, „heul“). Etliche ihrer Bonmots fanden Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch, beispielsweise die Redewendung „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“. Zu ihrer Arbeitsweise sagte sie: „Man kann gar nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen.“ Von 1972 bis 1988 übersetzte sie ausschließlich Comics von Barks.Von ihr stammten viele der deutschen Namen für die Disney-Charaktere, beispielsweise „die Panzerknacker“ für die „Beagle Boys“ und „Dagobert Duck“ für „Scrooge McDuck“. Carl Barks und Erika Fuchs zusammen machten Entenhausen zu jener Legende, die Deutsche jedes Alters schätzen.KNA/mak
Carl Barks: Seine Bedeutung für das Donald-Duck-Universum kann gar nicht überschätzt werden - WELT
Er gilt als der „Shakespeare des Enten-Universums“: Lange Zeit blieb Carl Barks hinter der Über-Marke „Walt Disney“ fast unsichtbar. Erst spät wurde sein Erzähl- und Zeichen-Genie weltbekannt. Dieser Umstand lehrte ihn eine Bescheidenheit, die heute selten ist.







