PfadnavigationHomeGeschichteCholerischer EnterichWarum Donald Duck nach über 90 Jahren noch immer treue Fans hatVeröffentlicht am 13.06.2025Lesedauer: 4 MinutenComic-Antiheld Donald Duck in wütender PoseQuelle: picture alliance/dpa/Ehapa Egmont MediaAm 9. Juni 1934 hatte der heute wohl weltberühmteste Enterich sein Trickfilmdebüt. Seither führte er ein bewegtes Leben, etliche Missgeschicke und cholerische Anfälle inklusive. Im Zweiten Weltkrieg musste er sogar an die Front. Später kickte er bei der Fußball-WM – zumindest in Europa.Über Geschmäcker soll man nicht streiten – aber genau dies kann nunmal großen Spaß machen. Und so gibt es zahlreiche Beispiele, die unter Kennern endlose Debatten auslösen können: Welche Band ist die bessere, Beatles oder Rolling Stones? Wer ist der bessere James Bond 007, Sean Connery oder Roger Moore? Welche Weltraum-Reihe überlegen, „Star Wars“ oder „Star Trek“?Und bei Disney-Comicfans lautet die Frage aller Fragen: Wen mögen wir lieber, Micky Maus oder Donald Duck?In entsprechenden Abstimmungen hat Donald häufig die Nase, pardon – den Schnabel vorn. Das mag daran liegen, dass man mit einem alles andere als perfekten Underdog (oder in diesem Fall Underduck), also mit einem ewigen Pechvogel wie dem cholerischen Enterich, der sich ständig über seine Missgeschicke aufregt, einfach mehr mitfühlt und mitfiebert als mit einem klugen, makellosen Streber, der meist cool bleibt. Denn als solcher kommt die Maus nach Ansicht vieler oft rüber, auch wenn Micky natürlich auch etliche treue Fans hat.Lesen Sie auchSein Zeichentrickfilm-Debüt hatte Donald Duck am 9. Juni 1934. In „Die kluge kleine Henne“ („The Wise Little Hen“) trat er als Nebenfigur auf, und danach vor allem als Freund von Micky, bis er knapp drei Jahre später eine eigene Serie bekam. 1938 zogen seine drei Neffen Tick, Trick und Track (im Original Huey, Dewey und Louie) bei ihm ein, um die er sich fortan wie ein Vater kümmerte. Die drei begeisterten Pfadfinder halfen ihm oft aus der Patsche, in die Donald, ein Meister unkluger Ideen und Projekte, fortwährend geriet.Lesen Sie auchObwohl arbeitsscheu, leistete auch Donald seinen Beitrag zum Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg: in Propaganda-Trickfilmen, die Walt Disney 1941 bis 1945 herstellte. Der Produzent fertigte Cartoons im Auftrag der US-Regierung an. Das empfand er einerseits als patriotische Pflicht im Zweiten Weltkrieg, gleichzeitig war es ein Weg, sein Studio vor dem Bankrott zu bewahren. Denn nach einigen kostspieligen Flops und dem kriegsbedingten Wegbrechen ausländischer Märkte war Disney in finanzielle Schieflage geraten.Lesen Sie auchUnd so entstand eine Reihe von Kurzfilmen, in denen die Achsenmächte eine Abreibung bekamen – auf humorvolle Weise, aber mit todernstem Hintergrund. In „Der Fuehrer’s Face“ (1943) hat Donald Duck beispielsweise einen Alptraum, in dem er sein Dasein als geschundener Fabrikarbeiter in Nazi-Deutschland fristen muss. Als er schließlich in den USA erwacht, ist er ist heilfroh und umarmt eine Miniatur der Freiheitsstatue. In „Commando Duck“ (1944) kämpft Donald als Fallschirmjäger gegen die Japaner.Ins zivile Leben zurückgekehrt, führte Donald weiterhin einen stetigen Kleinkrieg – in urkomischen Scharmützeln mit seinem Nachbarn Zacharias Zorngiebel (Neigbor J. Jones); wenn der Enterich nicht gerade von seinem so reichen wie geizigen und strengen Onkel Dagobert (Scrooge McDuck) drangsaliert wurde oder semi-erfolgreich um seine Dauerflamme Daisy Duck warb. Erfunden von Walt Disney und Dick Lundy, wurde Donald Duck von diversen Zeichnern weiterentwickelt. Als der wichtigste gilt Carl Barks, der Entenhausen (Duckburg) detailliert ausgestaltete und zahlreiche Figuren erfand.Dass Donald und die vielen weiteren Disney-Geschöpfe rund um den Erdball seit bald einem Jahrhundert so viele Fans haben, liegt auch daran, dass sie stetig weiterentwickelt und regional geschickt angepasst wurden. Beispielsweise kreierten italienische Zeichner Geschichten mit Donald als Fußballspieler, die in den USA, wo man lieber American Football statt „Soccer“ guckt, wohl kaum interessiert hätten, in Europa dafür umso mehr begeisterten – in Deutschland erschienen sie anlässlich der Fußball-WM 1982 in dem „Lustige Taschenbücher“-Band Nr. 82 namens „Donald vor! Noch ein Tor!“. Auch die Figur des Phantomias – Donalds „Superhelden“-Alter ego – ging auf das Konto der Italiener; in Deutschland trat Donald in Maske und Umhang erstmals im „Lustige Tachenbücher“-Band Nr. 41 von 1976 auf: „Donald mal ganz anders“.Eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Erfolg von Disney-Comics in Deutschland spielte Erika Fuchs. Jahrzehntelang übersetzte bzw. adaptierte sie die Originaltexte für die deutschen Micky-Maus-Hefte (seit 1951) und das „Lustige Taschenbuch“ (seit 1967) mit unverkennbarer, origineller Wortwahl, Anspielungen an klassische Literatur und lautmalerischen Inflektiven („grummel“, „ächz“, „heul“). Etliche ihrer Bonmots fanden Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch, beispielsweise die Redewendung „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“.Auch erfand sie einige der deutschen Namen für die Disney-Charaktere, beispielsweise „die Panzerknacker“ für die „Beagle Boys“ und „Dagobert Duck“ für „Scrooge McDuck“. Letzterer wird trotz mancher Versuche wohl nie Erfolg damit haben, Donald zu regelmäßiger Arbeit zu bewegen. Denn wie sagte dieser einst zu Dagobert: „Die Ruhe ist dem Weisen heilig! Nur Verrückte haben’s eilig!“Für WELTGeschichte blickt Martin Klemrath neben klassischen historischen Themen auch regelmäßig auf popkulturelle Phänomene vergangener Jahrzehnte zurück. Darunter eine weitere Comic-Ikone: das legendäre Magazin „Yps“.