Statt rotem Teppich passiert Erhan ein rotweißes Flatterband, statt Kaviar-Häppchen gibt es Leberkässemmeln oder gelbe Rüben, statt Prinzregententheater und Haute-Volée geht es um den Nußbaumpark und um Obdachlose und Bedürftige: ein sehr lebendiger Sonntagnachmittag in München. Anders als bei Film- und sonstigen -festen geht es hier mal weniger um Würdigung derer, mit denen es das Schicksal gut meint, sondern sehr intensiv um die Würde derer, die es nicht so einfach haben. Wie Erhan, der gerne wieder eine eigene Wohnung hätte.

Als einer von elf Friseurinnen und Friseuren der „Barber Angels“ schneidet ihm Henrik Aschenbrenner gerade die Haare zu einem blitzsauberen Scheitel und trimmt ihm den Bart. Kostenlos, weil es Ziel der gemeinsamen Aktion der „Barber Angels“ mit dem Obdachlosen-Hilfeverein „Die Brücke“ ist, Menschen Gutes zu tun, denen so etwas nicht oft widerfährt. Seit 2016 gibt es die „Barber Angels“ in Deutschland als Verein, seit 2017 ist Aschenbrenner dabei. „Also quasi von der zweiten Minute an“, scherzt der gutgelaunte Friseurmeister, der in Neustadt an der Donau und in Pförring zwei Läden mit zwölf Mitarbeitern führt.

Er ist Vize-Landeschef der Angels, die in einer Art sanft abgewandelter Motorradkutte zu ihren Benefiz-Aktionen antreten, um die Schwelle zur Gratiskundschaft niedrig zu halten. „Optio“ steht bei Aschenbrenner auch noch auf der Lederweste, bei Barber-Angels-Bayernchef Uwe Pichl gar „Zenturio“ - das seien bei Asterix entliehene Rangbezeichnungen, wie bei der römischen Legion, erklärt Aschenbrenner, und spricht begeistert von solchen Aktionen für Bedürftige. „Ich habe das Glück, wo geboren zu sein, wo's mir gut geht, und ein Handwerk erlernt zu haben, mit dem man ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“