PfadnavigationHomeGeschichteSchlacht von Bosworth 1485Der König wurde „rasiert“, als Schwerter und Hellebarde seinen Kopf trafenVeröffentlicht am 15.09.2025Lesedauer: 6 MinutenSo stellte man sich später das Ende von Richard III. bei Bosworth vorQuelle: picture-alliance/Mary Evans Picture Library/Rights ManagedNachdem die Familien der Lancaster und York jahrzehntelang Krieg um den Thron Englands Krieg geführt hatten, kam es 1485 bei Bosworth zur Entscheidungsschlacht. Dort entstand die Legende um die letzten Worte Richards III.: „Mein Königreich für’n Pferd“.Zu den bekanntesten Zitaten aus William Shakespeares Werken gehört die Sache mit dem Unpaarhufer: „Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für'n Pferd!“ Dabei wird wohl nur eine Minderheit unter den Rufern, die heute statt eines „Königreichs“ „ein Bier“, „ein Bett“ oder „ein Taxi“ erflehen, das berühmte Bonmot in dem Königsdrama „Richard III.“ (ca. 1593; 5. Akt, 4. Szene, übersetzt von August Wilhelm Schlegel) verorten können, als letzter Ausruf des von Feinden umringten Titelhelden, den der Dichter zugleich als größten Schurken der englischen Geschichte präsentiert. Der fand sein Ende am 22. August 1485 bei Bosworth Field unweit von Leicester in Mittelengland.Der Ort, über dessen Lokalisierung noch immer gestritten wird, gilt als letzte große Schlacht der Rosenkriege (1455–1485), in denen sich die Häuser Lancaster (rote Rose als Feldzeichen) und York (weiße Rose) – Nebenlinien der von 1154–1399 regierenden Plantagenets – bis aufs Blut bekämpften. Nachdem es dem 4. Duke von York 1461 gelungen war, als Eduard IV. die Krone Englands zu erobern, übernahm nach dessen Tod 1483 sein Bruder Richard (III.) als „Protector of his children“ die Regentschaft. Da jedoch der zwölfjährige Eduard (V.) und sein jüngerer Bruder Richard spurlos aus ihrem Hausarrest im Londoner im Tower (damals noch eine Königsresidenz) verschwanden, gewann Richard III. die Königskrone. Zuvor hatte er seine Neffen für illegitim erklären lassen.Lesen Sie auchSeine Herrschaft sicherte er sich mit den üblichen Methoden der Zeit. Potenzielle Rivalen wurden hingerichtet oder ins Exil getrieben. In der Bretagne lebte zum Beispiel Heinrich Tudor, Earl of Richmond (1457–1509). Da seine Mutter eine Nichte des Lancaster-Königs Eduard III. und seine Großmutter die Witwe des Lancaster-Königs Heinrich V. gewesen waren, galt Heinrich Tudor als letztes Oberhaupt des Hauses Lancaster, denn andere Kandidaten hatten die Rosenkriege nicht überlebt. Richards Bestreben, seine Herrschaft zu festigen, erwies sich jedoch bald als kontraproduktiv. So ließ er den mächtigen Herzog von Buckingham, dessen Abstammung ihn eigentlich den Lancasters zuwies, dem er aber seine Akklamation zum König im Juni 1483 verdankte und der anschließend sein wichtigster Verbündeter im Kronrat wurde, als Verräter für vogelfrei erklären und hinrichten. Lesen Sie auchAuch weitere Maßnahmen des Königs, die auf die Effektivität der Gerichtshöfe zielten und damit den Hochadel unter die Ordnung von Recht und Verwaltung zwangen, waren nicht unbedingt dazu angetan, die Peers, die die Rosenkriege überlebt hatten, für seine Herrschaft zu gewinnen. Hinzu kam, dass Richards einziger Sohn, den er zum Prince of Wales und damit Thronfolger proklamiert hatte, 1484 starb, was neue blutige Kämpfe um die Nachfolge erwarten ließ.Das erkannte auch Heinrich Tudor, dessen Hof zum Hoffnungsort vieler Unzufriedener geworden war. Mit Unterstützung aus Frankreich und Schottland sammelte er ein Heer von 2000 französischen und walisischen Söldnern, das durch Aufgebote von Exilanten verstärkt wurde. Am 7. August 1485 landete er in Wales, wo er mit weiterer Unterstützung rechnen konnte. Mit der Ankündigung, durch die Heirat mit Elisabeth von York, einer Nichte Richards, einen Schlussstrich unter die Epoche der Rosenkriege zu ziehen, gewann er auch zahlreiche York-Anhänger, sodass er sein Heer auf 5000 bis 6000 Mann bringen konnte. Richard, der mit einer Landung Heinrichs rechnete, hatte sein Hauptquartier in Nottinghamshire aufgeschlagen, von wo aus ein Vormarsch in alle Richtungen möglich war. Als ihm während eines Jagdausfluges gemeldet wurde, dass sich Tudor im Anmarsch befände, mobilisierte er seine Truppen und die Aufgebote des Hochadels. Um ihre Treue sicherzustellen, forderte der König von einigen Gefolgsleuten Geiseln, zum Beispiel von Thomas Stanley. Der hatte bis dahin seinen Einfluss dem Umstand verdankt, dass er zum einen den Yorks gedient hatte, zum anderen durch seine Heirat Stiefvater von Heinrich Tudor geworden war. Richard meinte wohl, auf diese Weise Stanleys Loyalität sichergestellt zu haben, doch sollte er sich täuschen. Während sich die Heere am 22. August am Ambien Hill aufstellten, hielten Stanley und sein Bruder William Distanz. Richard selbst soll sich die Krone aufgesetzt und die Parole ausgegeben haben: „An diesem Tag werde ich als König untergehen oder den Sieg gewinnen.“ Dass er mit bis zu 12.000 Mann das deutlich größere Heer befehligte, sprach für ihn, die Alpträume, die ihn nach Aussage des Chronisten Polydore Vergil die Nacht zuvor gequält haben sollen, dagegen. Bei Shakespeare erscheinen Richard im Traum die Geister aller Ermordeten. Von der Schlacht selbst ist kein zeitnaher Bericht erhalten. Während Heinrich sich wohl in der Defensive hielt, versuchte Richard, dessen Zentrum zu durchstoßen. Als er im Nahkampf Tudors Position fast erreicht hatte, wechselten die Stanleys offen die Seiten und griffen die York-Truppen an. Bereits zuvor war der Herzog von Northumberland durch Tatenlosigkeit aufgefallen. „Es heißt, dass Richard sich durch Flucht hätte retten können“, schreibt Vergil. „Denn seine Umgebung, die von Beginn der Schlacht an sah, dass ihre Soldaten langsam und träge kämpften und andere sich verstohlen vom Schlachtfeld entfernten, witterte Betrug und drängte ihn zur Flucht.“ Richard soll dies mit der Begründung zurückgewiesen haben, „dass er an diesem Tag entweder mit dem Kämpfen oder mit seinem Leben Schluss machen“ werde. Lesen Sie auchRichard ist der letzte englische König, der auf dem Schlachtfeld fiel. Nicht umsonst lassen viele Historiker mit Bosworth die Geschichte des neuzeitlichen England beginnen. Ausgerechnet Thomas Stanley soll die Krone auf dem Schlachtfeld geborgen und Heinrich auf den Kopf gesetzt haben. Umgehend machte sich der Sieger daran, seinen Gegner als Unhold darzustellen. Erfolgreich, wie Shakespeares Drama und der Hilferuf nach einem Pferd beweist. Der Überlieferung nach wurde Richards geschundener Leichnam nackt in Leicester aufgebahrt, wo er dann in einem Kloster bestattet wurde. Nachdem 2012 unter einem Parkplatz in der Stadt das Skelett eines Mannes aus dem Mittelalter gefunden worden war, ließen die folgenden Gen-Analysen den Schluss zu, die sterblichen Überreste des Königs gefunden zu haben. Wissenschaftler der Universität Leicester konnten mindestens elf schwere Verletzungen identifizieren, darunter neun am Schädel, die ihm mit verschiedenen Klingenwaffen zugefügt wurden, als „er von allen Seiten, wahrscheinlich von mehr als einer Person, brutal angegriffen wurde“. Mit einer „Hellebarde oder etwas Ähnlichem“ wurde ein Teil des Hinterkopfes abgeschlagen.Das würde zu der Darstellung des Dichters Guto'r Glyn passen, nach der Richard buchstäblich der Kopf „rasiert“ worden sei, nachdem er Helm und Krone verloren hatte. Heinrich VII. machte seine Ankündigung wahr und heiratete Elisabeth von York. Damit fanden die beiden verfeindeten Häuser endlich zusammen.Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Militärgeschichte zu seinem Arbeitsgebiet.
Richard III. von England: Schwerter und Hellebarde trafen seinen Kopf - WELT
Nachdem die Familien der Lancaster und York jahrzehntelang Krieg um den Thron Englands Krieg geführt hatten, kam es 1485 bei Bosworth zur Entscheidungsschlacht. Dort entstand die Legende um die letzten Worte Richards III.: „Mein Königreich für’n Pferd“.






