Die bayerische Polizei sitzt auf einem Berg von mehr als drei Millionen Überstunden – Tendenz steigend. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen in Bayern hervor. Am stärksten betroffen sind das Polizeipräsidium München mit durchschnittlich 123 Überstunden pro Kopf und das Landeskriminalamt mit 143. Landesweit summierten sich die Überstunden dem Innenministerium zufolge im vergangenen Jahr auf 3,15 Millionen. Auf alle Polizeigliederungen gesehen sind das im Durchschnitt dann 91 Stunden angesammelte Mehrarbeit pro Person.Die bayerische Staatsregierung verweist angesichts solcher Zahlen regelmäßig auf außergewöhnliche Einsatzlagen wie den G-7-Gipfel 2022, Bauernproteste, die Fußball-EM 2024 oder Großereignisse wie die Münchner Sicherheitskonferenz und das Oktoberfest. Hinzu kommen zeitintensive Sonderkommissionen und aufwendige Kriminalpolizei-Ermittlungen.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Die Grünen warnen nun, dass ein Abbau der Überstunden nicht durch das bloße Warten auf ruhigere Zeiten zu erreichen sei. „Wer so weitermacht, riskiert die Gesundheit der Beamtinnen und Beamten“, betonte Fraktionschefin Katharina Schulze. Dauerhaft hohe Überstunden-Bestände würden zudem die Attraktivität des Berufs verringern und die Nachwuchsgewinnung erschweren – besonders in ländlichen Regionen. Die Landtagsfraktion fordert deshalb ein Sonderauszahlungsprogramm mit einem Zuschlag von 20 Prozent für geleistete Mehrarbeit in den Jahren 2026 bis 2029.Zudem sollen verbindliche Abbauziele für alle Präsidien gelten, Überstunden dürften nicht verfallen, sondern müssten vollständig ausgezahlt oder durch Freizeit abgegolten werden. Auch strukturelle Änderungen stehen auf der Liste der Forderungen: Fachfremde Aufgaben wie Vorführdienste sollen von der Justiz übernommen werden, die Grenzpolizei solle sich wieder stärker auf Schleierfahndung konzentrieren und die Kontrolle der Außengrenzen der Bundespolizei überlassen. „Alles andere ist nur Kosmetik und gefährdet auf Dauer unsere Sicherheit“, teilte der grüne Innenpolitiker Florian Siekmann dazu mit.Das Innenministerium hatte vor zwei Monaten auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung – im Zusammenhang mit aktuellen Debatten im Landtagsausschuss für den öffentlichen Dienst – eigentlich einen leicht positiven Trend beim Abbau vermeldet. Demnach sanken die rechnerischen Pro-Kopf-Überstunden landesweit, die noch nicht durch Freizeitausgleich oder Vergütung abgebaut wurden, von einer Rekordzahl 98 im Jahr 2022 über zwischenzeitlich 93 auf zuletzt eben 91. Verschiedene Maßnahmen seien aufgelegt worden, hieß es aus dem Ministerium. Ein klarer Rückgang des Bestands dürfte sich dadurch aber „erst mittel- bis langfristig einstellen“.
Bayerns Polizei sitzt auf einem Berg von drei Millionen Überstunden
Im Freistaat müssen Polizistinnen und Polizisten immer mehr Großereignisse schützen. In der regulären Dienstzeit ist das nicht zu schaffen. Die Grünen im Landtag fordern ein Sonderauszahlungsprogramm und weitere Maßnahmen.







