PfadnavigationHomePolitikAuslandIsraelDer nächste Schlag gegen Christen in JerusalemVeröffentlicht am 22.08.2025Lesedauer: 5 MinutenKardinal Pierbattista Pizzaballa und Patriarch Theophilos IIIQuelle: Mostafa Alkharouf/Anadolu/picture allianceIn einem beispiellosen Schritt hat Jerusalem die Konten des griechischen Patriarchats eingefroren. Die Kirche betreibt zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen und sieht sich handlungsunfähig. Die Maßnahme reiht sich in eine politische Entwicklung ein.Die jüngste Entscheidung der Jerusalemer Stadtverwaltung, sämtliche Bankkonten des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats einzufrieren, hat international für Empörung gesorgt und einen neuen Tiefpunkt in den angespannten Beziehungen zwischen der Stadt und ihren christlichen Gemeinden markiert. Das Patriarchat, Träger zahlreicher Kirchen, Pilgerstätten, Schulen, Hospize und sozialer Einrichtungen, wurde nach eigenen Angaben von einem Tag auf den anderen handlungsunfähig. Selbst elementare Ausgaben wie Gehaltszahlungen an Mitarbeiter und Geistliche konnten nicht mehr geleistet werden. Darüber berichtete zuerst die Katholische Nachrichtenagentur. Ursache für das scharfe Vorgehen ist ein seit Jahren schwelender Streit um die sogenannte Arona-Immobiliensteuer. In Jerusalem war diese übliche Abgabe auf Grundbesitz bislang für religiöse und karitative Einrichtungen ausdrücklich ausgesetzt. Das israelische Recht gestattet Kommunen, Konten bei Zahlungsrückständen ohne Gerichtsbeschluss und ohne Einbindung nationaler Behörden zu sperren.Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat gehört zu den größten Grundbesitzern im Heiligen Land. Wie die anderen christlichen Kirchen beansprucht es eine Befreiung von kommunalen Steuern, weil die Immobilien gemeinnützigen Zwecken dienen. Auch jüdische Einrichtungen sind von der Steuer ausgenommen. Die Stadtverwaltung wiederum besteht seit dem Jahr 2018 darauf, dass Steuervergünstigungen nur solchen kirchlichen Einrichtungen zustehen, die reinen religiösen Zwecken dienen. Gewinnorientierte Objekte, wie Pilgerhotels, sind von dieser Befreiung ausgenommen.Das Patriarchat wirft der Stadtverwaltung vor, bereits am 6. August entgegen anders lautenden Zusagen die Konten eingefroren und damit ein seit dem 19. Jahrhundert geltendes, informelles Abkommen zu den Rechten religiöser Institutionen verletzt zu haben. Die Blockade bedrohe unmittelbar auch die Vermögenswerte aller anderen christlichen Kirchen in Jerusalem. Bislang gibt es keine Fortschritte in der Sache, wie Vertreter des Patriarchats zuletzt bestätigten. „Als religiöse Einrichtungen erfüllen die Kirchen eine wichtige Aufgabe, indem sie Bildungs-, Sozial- und Wohltätigkeitseinrichtungen unterhalten, die der lokalen Bevölkerung dienen, unabhängig davon, ob diese christlich ist oder nicht“, heißt es in der Erklärung der Gruppe von Theophilos, „Protecting Holy Land Christians“.Lesen Sie auchSogar Israels Parlament Knesset steht auf Grundstücken, die dem Griechisch-Orthodoxen Patriarchat gehören und für 99 Jahre an Israel beziehungsweise den Jüdischen Nationalfonds verpachtet sind. Politisch hat sich in der Jerusalemer Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren viel verändert. Orthodoxe Juden und Siedlerparteien kontrollieren inzwischen das Stadtparlament und verfolgen einen härteren Kurs gegenüber den christlichen Kirchen. Das zeigt sich aktuell am Einfrieren der Konten des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats und wächst zunehmend zu einem allgemeinen Druck auf weitere christliche Institutionen an.