Wie mag sich Orville Wright am 14. Dezember 1903 gefühlt haben? An diesem Tag sah er zu, wie sein Bruder Wilbur in die gemeinsam konstruierte Maschine einstieg, bereit, Geschichte zu schreiben. Der Tag ist bis heute als jener bekannt, an dem in den Kill Devil Hills in North Carolina der erste, halbwegs erfolgreiche Versuch des motorisierten Fluges gewagt wurde. Vor dem Start mussten die Brüder Wright entscheiden, wem das Pilotenprivileg zuteilwerden durfte und wer ein kleines bisschen mehr Anteil an diesem Triumphmoment der Technikgeschichte hatte. Orville und Wilbur einigten sich darauf, den Zufall zum Schiedsrichter zu machen, und warfen eine Münze. Eine kluge Wahl – wie hätten sie es auch anders lösen können? Etwa minutiös aufschlüsseln, wer wann welche Idee zur gemeinsamen Konstruktion beigesteuert hatte? Nein, die Fairness gebot, dass der Zufall entscheiden sollte.

Wilbur warf die Münze, Wilbur gewann. Das Glück hat ihm die Gunst des Jungfernflugs in den Schoß geworfen. Und Orville? Es ist gut möglich, dass er haderte, den Zufall still verfluchte und das Ergebnis irgendwie unfair fand. Schließlich hatte sein Bruder die Münze geworfen und gewonnen. Zwar spielte hier nur der Zufall eine Rolle, doch wenn Orville wie die meisten anderen Menschen tickte, dann ließe sich das Ergebnis einer aktuellen Studie mutmaßlich auch auf ihn anwenden. Wie die Psychologen Rémy Furrer, Timothy Wilson und Daniel Gilbert im Journal of Personality and Social Psychology berichten, löst ein verlorener Münzwurf eine „Illusion der Unfairness“ aus, wenn diejenige Person gewinnt, die auch selbst geworfen hat.