Zwischen Triumph und Trauer liegen beim Hockey oft nur Millimeter und Sekundenbruchteile. So auch am Samstagabend im Europameisterschaftsfinale im Mönchengladbacher Hockeypark: Justus Weigand traf eine Viertelstunde vor Schluss zum deutschen 1:1-Ausgleich haarscharf von der Linie des Schusskreises. Hätte er den Ball nur ein paar Millimeter außerhalb des Kreises getroffen, dann hätte das Tor nicht gegolten. Dann wären die deutschen Hockeyspieler gegen überlegene Niederländer nicht in jenes Penaltyschießen gekommen, in dem der Treffer des Niederländers Jorrit Croon nur deshalb nicht zählte, weil das achtsekündige Zeitlimit zum Einschuss um den Bruchteil einer Sekunde abgelaufen war. Beide Fälle mussten per Zeitlupe von der Videoschiedsrichterin überprüft werden.
Die deutsche Millimeterpräzision und die niederländische Sekundenverspätung haben am Ende dazu beigetragen, dass Deutschland das EM-Finale mit 4:1 im Penaltyschießen gewann, nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit. Nach zwölf Jahren und zum insgesamt neunten Mal sind deutsche Hockeymänner damit wieder Europameister. Hätten die Niederländer gewonnen, dann hätten sie mit ihrem achten EM-Titel zu Deutschland aufgeschlossen. So aber baute das Team vom Bundestrainer André Henning seinen EM-Titelrekord aus. Henning war überwältigt, hatte nach dem dramatischen Finalverlauf mit all den knappen Entscheidungen aber seine ganz eigene Bezeichnung für diesen Titelgewinn: „Das war ein Höllenritt.“













