PfadnavigationHomeRegionalesHamburgEntführungs-ProzessAls die Richterin Fragen zum Tagebuch von Christina Block stellt, kommt es zum StreitVeröffentlicht am 15.08.2025Lesedauer: 6 MinutenDer Prozess um die mutmaßliche Kindesentführung gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block wird fortgesetzt. Block hatte in einer Erklärung die Vorwürfe zurückgewiesen und soll dazu nun befragt werden. Reporter Gerrit Schröder berichtet.Die Fortsetzung im Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block wird von einem Streit um Verfahrensfragen überschattet. Die Verteidigung und die Richterin liefern sich am vierten Prozesstag einen Disput über die Freigabe des Tagebuchs der Angeklagten.Im Prozess gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist der vierte Verhandlungstag zu Ende gegangen. Zum Auftakt begann die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt mit der Befragung der 52-jährigen Angeklagten, die beschuldigt wird, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark in Auftrag gegeben zu haben. Ein Streit zwischen der Verteidigung und der Vorsitzenden Richterin brachte den vierten Prozesstag jedoch knapp eine Stunde nach Beginn der Verhandlung ins Stocken. Lesen Sie auchAnlass war eine Frage der Richterin zu einem Eintrag in ein elektronisch geführtes Tagebuch der Hamburger Unternehmerin. Blocks Verteidiger Ingo Bott monierte, dass das Tagebuch noch nicht ordnungsgemäß beschlagnahmt worden sei. Deshalb dürfe es noch nicht zum Gegenstand des Verfahrens gemacht werden. Auch die Verteidiger der übrigen sechs Angeklagten schlossen sich dem Widerspruch von Bott an. Es kam zu einem scharfen Wortgefecht. Der Vertreter des Nebenklägers, des Ex-Manns von Block, äußerte ebenfalls rechtliche Bedenken. Die Kammer unterbrach die Sitzung für eine Beratung – und verzichtete danach auf die Frage.Die weitere Befragung von Block konzentrierte sich dann vor allem auf frühe Versuche und Ideen von Christina Block, ihre Kinder aus der Obhut ihres Ex-Manns in Dänemark mithilfe von Beratern und Sicherheitsfirmen zurückzuholen. Dabei sei auch besprochen worden, ihren Sohn und ihre Tochter mit einem Boot über die Flensburger Förde nach Deutschland zu holen, sagte die Hamburger Unternehmerin im Prozess um die Entführung der Kinder in der Silvesternacht 2023/24. „Wahrscheinlich hätte Gerhard da auf uns gewartet und uns nach Hause gefahren – aber noch mal, das waren hypothetische Überlegungen und noch kein Plan“, sagte Block. Ihr Lebenspartner, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (66), ist wegen Beihilfe angeklagt. Wie Block und die fünf weiteren Angeklagten weist er alle Schuld von sich.Lesen Sie auchBei den Überlegungen mit Sicherheitsexperten und Juristen sei sie immer davon ausgegangen, dass eine Rückholung auf legalem und gewaltfreien Weg erfolgen müsse, sagte Block. Zudem habe sie damals neben dem Sorge- auch das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder gehabt.Hubschrauber und MaskenbildnerSie habe auch Gedanken durchgespielt, ihre Tochter und ihren Sohn mit Hilfe eines Hubschraubers aus dem Haus ihres Ex-Manns zu befreien. Eine weitere Idee eines beauftragten Sicherheitsunternehmens sei gewesen, einer Mitarbeiterin mit Hilfe einer Maskenbildnerin das Aussehen der neuen Ehefrau des Ex-Manns zu geben. So verändert sollte die Sicherheitsmitarbeiterin die Kinder aus der Schule in Dänemark abholen. „Es ist im Nachhinein so verrückt, ich mag es kaum sagen“, führte Block fast entschuldigend aus. Außerdem sei vorgeschlagen worden, eine Lehrerin in die Schule der Kinder einzuschleusen, um so während eines Schulausflugs an sie heranzukommen. Lesen Sie auchDie Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, betonte dabei immer wieder, dass jede Aktion legal und gewaltfrei sein sollte. „Es war immer klar, dass Gewalt niemals im Raum steht.“ Irgendwann habe sie überlegt, ob sie sich mit der Situation abfinden müsse. „Irgendwann bist du als Mutter zermürbt“, sagte Block mit tränenerstickter Stimme.Ein halbes Jahr vor der Entführung habe sie sich erstmals mit der Frage beschäftigt, ob die Kinder noch freiwillig zu ihr zurückkehren würden. „Weil der Zeitraum so lang war, weil ich gelernt habe, was Entfremdung mit Kindern machen kann“, sagte Block unter Tränen. „Irgendwann habe ich gedacht, ich muss mich jetzt damit abfinden, dass meine Kinder dieses Bild von mir haben.“Anschließend versuchte die Richterin zu klären, wie der Kontakt zu einer israelischen Sicherheitsfirma zustande kam, die laut Anklage schließlich die Entführung der Kinder durchgeführt haben soll. Block erklärte, dass es zunächst nur um Fragen der Cybersicherheit in dem von der Block-Gruppe betriebenen Hotel gegangen sei.Die Richterin befragte sie zu einem beschlagnahmten Notizbuch, das dem Chef der israelischen Firma zugeschrieben wird und in dem sich handschriftliche Vermerke Blocks befinden. Die 52-Jährige bestätigte, dass es sich um ihre Handschrift handele. Sie habe auf Bitten des Israelis den Namen ihres bisherigen Sicherheitsberaters und der Schule ihrer Kinder in Dänemark in das Buch geschrieben.Lesen Sie auchLaut Richterin wurde der Name des früheren Sicherheitsberaters in dem Buch bereits im März 2023 ein Vermerk hinzugefügt, der in deutscher Übersetzung „zuständig für Einplanung der Entführer“ laute. Block: War dankbar, dass sich überhaupt jemand interessiertAuf die Frage, warum sie den Namen in das Buch geschrieben habe, sagte Block, dass der Israeli als Familienmensch Anteil an ihrem Schicksal genommen habe. „Ich war einfach nur dankbar, dass sich überhaupt jemand interessiert.“ Aus dem Notizbuch ging nach den von der Richterin erwähnten Eintragungen auch hervor, dass Block eine Verhandlungslösung mit dem Vater der Kinder suchen wollte. Block ist zusammen mit einem 63 Jahren alten Anwalt angeklagt, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark in Auftrag gegeben zu haben. Ein dritter Angeklagter, ein 36-jähriger Israeli, sitzt als einziger in Untersuchungshaft. Er soll direkt an der Entführungsaktion beteiligt gewesen sein. Wegen Beihilfe angeklagt sind ferner ein 58 Jahre alter Geschäftsführer eines Sicherheitsunternehmens sowie zwei Personen - ein Mann und eine Frau im Alter von 55 und 49 Jahren - aus dem familiären Umfeld von Block.Block ist angeklagt, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark in Auftrag gegeben zu haben. Die 52-Jährige hatte am 25. Juli, dem dritten Verhandlungstag, die Vorwürfe der Anklage in einer mehrstündigen Erklärung zurückgewiesen.Lesen Sie auchChristina Block wird vorgeworfen, zusammen mit einem 63-jährigen Anwalt den Auftrag erteilt haben, ihre beiden Kinder der Obhut des ebenfalls sorgeberechtigten Vaters zu entziehen. Den Angaben zufolge waren die damals 10 und 13 Jahre alten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 von mehreren Männern gewaltsam ihrem Vater in Dänemark entrissen und nach Deutschland gebracht worden. In Deutschland blieben der Junge und das Mädchen nur wenige Tage bei der Mutter. Das Hanseatische Oberlandesgericht entschied aufgrund eines Eilantrags des Vaters, dass ihm die Kinder zurückgegeben werden müssen. In dem Verfahren um die Entführungsaktion gibt es fünf weitere Angeklagte. Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (66), ist wegen Beihilfe angeklagt.Block bestreitet Beteiligung an Entführung Block hatte bereits am 25. Juli, dem dritten Verhandlungstag, die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, bestritt in einer mehrstündigen Erklärung vor, Gericht von der Aktion etwas gewusst zu haben. Anfang August hatte sich Block zudem von dem renommierten Hamburger Strafverteidiger Otmar Kury getrennt. Als neuen Pflichtverteidiger bestätigte das Gericht Ingo Bott. Lesen Sie auchDas öffentliche Interesse an dem Verfahren ist weiter ungebrochen. Neben zahlreichen Medienvertretern hatten die Justizvollzugsmitarbeiter Probleme, die Masse an Zuschauern im Gerichtsaal unterzubringen.dfe, dpa
Prozess um Steakhaus-Erbin Christina Block: Als die Richterin Fragen zum Tagebuch der Angeklagten stellt, kommt es zum Streit - WELT
Die Fortsetzung im Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block wird von einem Streit um Verfahrensfragen überschattet. Die Verteidigung und die Richterin liefern sich am vierten Prozesstag einen Disput über die Freigabe des Tagebuchs der Angeklagten.









