Die Zahl mutmaßlich gefälschter Fachartikel steigt laut einer kürzlich veröffentlichten Studie in der Fachzeitschrift PNAS in einem bedrohlichen Tempo. Demnach verdoppelt sich die Anzahl problematischer Studien etwa alle anderthalb Jahre, die Menge aller erfassten wissenschaftlichen Veröffentlichungen verdoppelte sich hingegen über einen Zeitraum von 15 Jahren. Demnach steige der Anteil problematischer Fachartikel, heißt es in dem neuen Aufsatz. Die Autoren um den Professor für Ingenieurswissenschaften und Angewandte Mathematik Luís A. Nunes Amaral von der Northwestern University sehen systematischen Betrug als Ursache für diese Entwicklung. Dahinter stünden „im Wesentlichen kriminelle Organisationen“, wird Amaral in einer Pressemitteilung der Universität zitiert.

Das Team rund um Amaral analysierte Studien in großen Wissenschaftsdatenbanken wie „Scopus“ und „PubMed“ sowie Daten der Kontrollplattform „Retraction Watch“, die dokumentiert, welche Fachartikel nach der Veröffentlichung wieder zurückgezogen werden. Die Gruppe suchte nach digitalen Spuren, die auf systematische Unstimmigkeiten hindeuten. Eines der wichtigsten Indizien dabei waren sogenannte „Retractions“. So wird es genannt, wenn eine bereits veröffentlichte Studie offiziell zurückgezogen wird – etwa weil ihre Ergebnisse fragwürdig sind. Die Gründe reichen von unbeabsichtigten Fehlern, etwa bei der statistischen Auswertung oder in den Abbildungen, bis hin zu bewusstem wissenschaftlichem Fehlverhalten wie Datenfälschungen oder Plagiaten.