Die Touristen hatten den besten Blick auf das Geschehen. Der doppelstöckige Bus, mit dem Urlauber ihre Stadtrundfahrten machen, fuhr am Samstagnachmittag am Parliament Square vorbei, dem Platz vor dem Big Ben. Was die Passagiere von oben sahen: auf der sonnenbeschienenen Wiese saßen, umgeben von weiteren Demonstranten, Hunderte Menschen, mit Schildern in der Hand: „Ich widersetze mich Völkermord, ich unterstütze Palestine Action“. Was sie auch sahen: Einer nach dem anderen wurde von Uniformierten weggetragen oder weggeführt und in Streifenwagen gebracht. Was sie die Umstehenden skandieren hörten: „Shame on you“, schämt euch! Es galt den Polizisten. 466 Menschen sollten die bis zum Abend wegen der Plakate festnehmen.

Sympathisanten drohen bis zu 14 Jahre Haft

Der Protest, organisiert von der Initiative Defend Our Juries, war der bisher größte, der Bezug auf Palestine Action nahm, seit die britische Regierung die Aktivistengruppe am 5. Juli als terroristische Vereinigung eingestuft und verboten hat. Die Aktivisten seien verantwortlich für „direkte kriminelle Handlungen gegen Unternehmen und Institutionen, darunter wichtige nationale Infrastruktur- und Verteidigungsunternehmen“, hieß es als Begründung. Seit dem Tag des Verbots ist dieses Bezugnehmen bereits eine Straftat, den Sympathisanten drohen bis zu 14 Jahre im Gefängnis.