Neuschwanstein ist Weltkulturerbe! Den Ritterschlag hat König Ludwigs Schloss in den Allgäuer Alpen gerade erst erhalten. Zwei riesige Plastikplakate, hoch oben, rechts und links vom Eingangstor über die Zinnen gespannt, künden davon. Mit dem Schriftzug „We are world heritage“, in weißer Supermarkt-Typographie auf violett-blauem Grund nebst Ludwigs Konterfei, könnte man auch prima Schokolade oder sonst was anpreisen. Ein Besucher murmelt unterm Eingangstor: „Für die Dinger sollten sie ihnen den Kulturerbe-Status gleich wieder aberkennen.“

Tatsächlich fragt sich, wofür steht es genau, dieses von der Unesco verliehene Prädikat „Weltkulturerbe“? Und erst recht: Wie lässt es sich einlösen? Genügt es, dass jährlich mehr als eine Million Touristen aus aller Welt in Wandersandalen durch des Königs Thronsaal, Speisezimmer, Schlafgemach schlappen und – mit Bert Brecht gesprochen – romantisch glotzen auf des Mad Kings Disney Castle, während ihnen unten im Tal die Mozartkugel, eingewickelt in König-Ludwig-Papierl, verkauft wird?

Solange sie dafür ihre Dollars, Yen und Renminbi dalassen allemal, lautet die innere Antwort so mancher Lokalpolitiker und Unternehmer.

Aber es gibt auch andere Perspektiven im sonst so sparsamen Schwaben. Etwa die der Veranstalter der Neuschwanstein Konzerte. Einige der größten Sängerinnen und Musiker unserer Tage haben sie in diesem Jahr engagiert. Nicht nur klassische Klassikstars wie Klaus Florian Vogt, Jonathan Telemann, Elina Garanca und Rolando Villazón gaben dort von vergangenem Freitag an Konzerte, auch der Crossover-Cellist Hauser. Der füllt mit seinen Adaptionen von AC/DC- und Avici-Hits sonst riesige Hallen.