Der Vater, Held der Kindheit. Er stirbt in jenen Tagen, in denen im Zentrum Sofias das Denkmal für die „Helden der Roten Armee“ abgebaut wird – fünfunddreißig Jahre nach dem Fall der Mauer. Arme, Köpfe, Beine der einstigen Helden schweben an Kränen durch die kalte Herbstluft. Die Sprechchöre der Demonstranten, die man in Deutschland vielleicht ewig Gestrige nennen würde, sind bis in das Zimmer zu hören, in dem der Sohn den von Krebs zerfressenen Vater in den Tod begleitet. Er ist die Treppen in den vierten Stock noch ein letztes Mal hochgestiegen, mühevoll, einen Fahrstuhl gibt es nicht im Haus. Hinunter werden Männer ihn in einem Laken tragen. „Sie luden ihn in einen Lieferwagen, schlugen die Türen zu und fuhren weg. Und ich begann, wie ein Kind zu heulen.“
Georgi Gospodinov über seinen Vaters: Der Garten war seine Art sich auszudrücken
Der bulgarische Booker-Prize-Träger Georgi Gospodinov hat ein Buch über den Tod seines Vater geschrieben: eine überaus zärtliche und kraftvolle Studie über das Leben und sein Ende.






