Mit dem Passionsspielort muss man erst mal warm werden. Das geht auch mit Ironie. Zum Beispiel angesichts des Holzkreuzes, an das hier alle zehn Jahre vor 500 000 Pilgern aus aller Welt ein Jesus-Darsteller gehängt wird. Jetzt lagert das Trum mahnend in einen Raum hinter den Kulissen des Passionstheaters. Eine Musikerin in schrill-pinkem Bühnendress wird etwas neckisch gefragt, ob sie das Kreuz heute schon drei Mal ums Haus geschleppt habe. „So war die Bedingung“, dass sie hier beim Festival spielen dürfen, antwortet Julia Viechtl, natürlich auch nicht im Ernst. Ihre beiden Mitmusikerinnen Maria Moling und Teresa Staffler vom Trio Principess, ebenfalls in kämpferischem Pink, posieren derweil auf einem Theater-Thron für eine Socialmedia-Fotografin und haben sichtlich Spaß daran. Man wird langsam warm mit diesem katholischen Ort.

Das „Heimatsound Festival“ hilft dabei. Seit 2013 bringt es bunten Trubel zwischen die Herrgottschnitzerläden. Einheimische Familien, Sportwanderer, Ausflugssenioren, Touristen aus Asien und Pop-Fans verwirbeln miteinander. Die meisten umzingeln an diesen beiden Tagen im Ortskern das Passionstheater. Wer keine Karten mehr bekommen hat, breitet seine Picknickdecke auf den Grasflächen drumherum aus, man weiß längst, durch die offenen Seitentüren wird man alles auch draußen hören.