PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungBärbel-Bas-RentenpläneVor dem SystemkollapsVeröffentlicht am 07.08.2025Lesedauer: 3 MinutenArbeits- und Sozialministerin Bas legt ihren Rentenentwurf im Kabinett vor. Dr. Hans-Jürgen Völz, Bundesgeschäftsführer Volkswirtschaft BVMW, begrüßt es, dass sich die Regierung mit wirtschaftsfördernden Maßnahmen beschäftigt. Allerdings habe er sich mehr Reformfreudigkeit erhofft.Mitten in der Wirtschaftskrise kommt Deutschland in die heiße Phase des demografischen Wandels. Wenn Arbeitsministerin Bärbel Bas gerade jetzt den Demografiefaktor aus der Rentenformel entfernt, gefährdet sie das System.Deutschland hat auf Ferienmodus umgeschaltet. Doch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas gönnte sich keine Pause. Jetzt hat die SPD-Chefin im Kabinett ihr Rentenpaket vorgelegt. Und einem ziemlich großen Teil der Bevölkerung winkt mehr Geld. Denn erstens wird die Mütterrente für ältere Frauen erhöht. Zweitens schaltet der Gesetzgeber den Demografiefaktor in der Rentenformel aus, mit dem SPD und Union einst die finanziellen Lasten der Bevölkerungsalterung fair auf Jung und Alt verteilen wollten. Für Rentner und die vielen Babyboomer, die jetzt nach und nach in den Ruhestand gehen, steigen die Altersbezüge künftig stärker, als dies nach geltendem Recht der Fall wäre. Die Kosten beider Maßnahmen summieren sich allein bis 2031 auf 50 Milliarden Euro. Doch die Finanziers, also die Beitrags- und Steuerzahler, sollen zunächst gar nichts von dieser horrenden Mehrbelastung spüren. Denn bis auf Weiteres werden die Zusatzausgaben aus dem Bundesetat finanziert. Die im Frühjahr eingeläutete Schuldenorgie hat der Bundesregierung schließlich so viel Spielraum im Haushalt verschafft, dass man sich die Mehrausgaben für die Rente meint leisten zu können.Lesen Sie auchVergeblich warnen nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Wirtschaftsweisen die Koalitionäre davor, den Standort Deutschland mit einer derart schweren Hypothek zu belasten. Zumal mit den Beamtenpensionen sowie den gleichfalls in die Höhe schießenden Gesundheits- und Pflegekosten weitere Schwerstlasten von den Jüngeren gestemmt werden sollen. Und nun auch noch die wachsenden Schulden von dem wenigen Nachwuchs bedient werden müssen. Die demografische Schieflage, auf die Deutschlands staatliche Alterssicherung zusteuert, ist seit Jahrzehnten absehbar. Andere Länder wie Schweden, die Niederlande oder die Schweiz haben über betriebliche und private Vorsorgesysteme gewaltige Kapitalreserven aufgebaut und sind entsprechend gut für die Alterung gerüstet. Lesen Sie auchAuch hierzulande gab es nach der Jahrtausendwende eine kurzzeitige Reformära, die mit der Einführung der – leider damals miserabel aufgesetzten – staatlich geförderten Riester-Rente sowie der 2005 beschlossenen Rente mit 67 zukunftsorientierte Weichenstellungen brachte. Doch statt die Riester-Rente in eine renditestärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge zu überführen, konzentrierten sich SPD und Union ab 2014 lieber auf populäre Leistungsausweitungen: angefangen von der „Rente mit 63“ und der Mütterrente über die Grundrente und die vorschnelle Angleichung der Ostrenten ans Westniveau bis hin zur „Haltelinie beim Rentenniveau“ bewies noch jeder Arbeitsminister in den vergangenen Jahren ein Herz für die Senioren. Und so hat man die guten Jahre, als Beitrags- und Steuereinnahmen noch sprudelten, nicht genutzt, um die Sozialversicherungen zukunftsfest aufzustellen, sondern wider besseres Wissen die Illusion geschürt, sich das alles leisten zu können. Nun kommen die Deutschen mitten in der Wirtschaftskrise in die heiße Phase des demografischen Wandels. Die Beiträge der Pflege- und Krankenkassen steigen immer schneller, die Rente wird bald folgen. Die explodierenden Lohnnebenkosten treiben Arbeitnehmer und Unternehmer zunehmend in die Schattenwirtschaft. Wie passend, dass das Kabinett mit dem Rentenpaket auch härtere Maßnahmen gegen Schwarzarbeit beschlossen hat. Klüger wäre es freilich, mittels Sozialreformen die drückende Abgabenlast zu senken und so den Anreiz zur regulären Beschäftigung zu erhöhen. Ansonsten droht das System bald zu kollabieren.
Bärbel-Bas-Rentenpläne: Vor dem Systemkollaps - WELT
Mitten in der Wirtschaftskrise kommt Deutschland in die heiße Phase des demografischen Wandels. Wenn Arbeitsministerin Bärbel Bas gerade jetzt den Demografiefaktor aus der Rentenformel entfernt, gefährdet sie das System.







