PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBrosius-Gersdorf„Anderer Autor hat in die Dissertation eingegriffen“, sagt der Plagiatsjäger – Experte widersprichtVeröffentlicht am 05.08.2025Lesedauer: 3 MinutenDer Plagiatsjäger Stefan Weber erhebt neue Vorwürfe gegen Richterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf. „Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ habe Brosius-Gersdorfs Ehemann Teile ihrer Dissertation verfasst: „Viele Textpassagen, die die Handschrift einer anderen Person tragen.“Plagiatsjäger Stefan Weber bleibt bei seiner Kritik an Verfassungsrichterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf. Ein Rechtswissenschaftler findet die Vorwürfe „sehr, sehr dünn“. Ghostwriting lasse sich nicht nachweisen.Die geplante Wahl der SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin wurde kurzfristig verschoben, nachdem der umstrittene Plagiatsprüfer Stefan Weber ihr wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen hatte. Weber sprach zunächst von 23 Textparallelen zwischen ihrer Dissertation und der Habilitation ihres Ehemanns entdeckt haben. In einem Interview mit WELT TV verwies er am Dienstag sogar auf 91 Stellen, „die sehr eindeutig darauf hinweisen, dass eine Mitautorschaft in dieser Dissertation gegeben ist“.Weber erklärte: „Hier hat ein anderer Autor in die Dissertation eingegriffen. Und für alle, die jetzt nicht akademisch sozialisiert sind, möchte ich kurz erklären, dass die Dissertanten in Deutschland wie in Österreich und vielen anderen Ländern eine Eigenständigkeitserklärung abgeben, dass sie ihre Arbeit komplett selbstständig verfasst haben.“ Es gebe eine klare Grenzziehung: Korrektorat und Lektorat seien erlaubt, sprachliche Änderungen und inhaltliche Eingriffe nicht. „Und das werfe ich Frau Brosius-Gersdorf vor.“Lesen Sie auchEs gebe Stellen, die auch in früheren Texten ihres Ehemanns auftauchten, so Weber: „Es sind viele Textpassagen, eben fast 100, die die Handschrift einer anderen Person tragen. Handschrift ist eine wissenschaftliche Disziplin, die nennt sich Stilometrie.“ Weber fügte hinzu: „Und wir können die Autorschaft, so wie ich sie formuliere, immer als Verdacht, also juristisch vorsichtig, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Hubertus Gersdorff zuschreiben.“Ein anderer Plagiatslehrer, der Rechtswissenschaftler Gerhard Dannemann, widersprach dem Vorwurf, Brosius-Gersdorf habe von ihrem Mann abgeschrieben. „Ich habe mir jetzt die Dokumentation angeschaut“, sagte Dannemann mit Blick auf eine Gegenüberstellung von Zitaten, die Weber auf seiner Website veröffentlicht hat. „Das kommt mir sehr, sehr dünn vor. Also erstmals ist es nur in eine Richtung recherchiert, ausschließlich Indizien dafür, dass sie von ihm übernommen hat.“Dabei sei es auch denkbar, dass Brosius-Gersdorf und ihr Mann einen gemeinsamen Text verfasst und dann wiederverwertet hätten. „Das würde ich so definitiv nicht unterschreiben, dass sich damit ein Ghostwriting nachweisen lässt“, sagt Dannemann, der als Professor an der Humboldt-Universität in Berlin lehrt. Auf den Vorwurf, fast 100 Stellen seien in einem fremden Schreibstil verfasst, erwidert Dannemann, das seien „eigentlich Allerweltsformulierungen“.„Die beiden sind verheiratet, wahrscheinlich schon länger ein Paar gewesen. Da hat man auch eine ähnliche Ausdrucksweise, man färbt vielleicht auch sprachlich etwas ab“, so Dannemann. Um Ghostwriting nachzuweisen, müsse man „schon deutlichere Übernahmen aus früheren Werken von Herrn Gersdorf finden, die sich dann so auch in der Arbeit von Frau Brosius-Gersdorf wiederfinden“. Genau das liege aber nicht vor.Die Zitate aus den Interviews bei WELT TV wurden mithilfe Künstlicher Intelligenz transkribiert und für bessere Lesbarkeit redaktionell leicht bearbeitet.