PfadnavigationHomeGeschichteTelefonzelle, VHS, LandkarteFrüher begehrt, heute obsolet – Diese Dinge sind aus unserem Alltag verschwundenVeröffentlicht am 09.08.2025Lesedauer: 4 MinutenStraßenkarten sind im heutigen Navi-Zeitalter überflüssig gewordenQuelle: picture alliance/moodboard/Jeremy MaudeDiverse Gegenstände, die vor nicht allzu langer Zeit täglich nützlich waren, taugen heute nur noch als Museumsstücke. Denn die vergangenen Jahrzehnte brachten große Veränderungen mit sich – vor allem ein Faktor war dabei ausschlaggebend.Nichts ist so beständig wie der Wandel. Dieser Satz des griechischen Philosophen Heraklit ist bis heute gültig, und die zurückliegenden Jahrzehnte sind ein Beleg dafür. Sie brachten mannigfaltige Veränderungen in vielerlei Hinsicht mit sich, sei es politisch, kulturell oder technologisch.Vor allem Fortschritte auf dem letzteren Gebiet sorgten dafür, dass diverse Gegenstände, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten wie selbstverständlich unser Alltagsleben begleiteten, teils schlagartig, teils nach und nach überflüssig wurden. Heute findet man sie nur noch bei Traditionalisten, Nostalgikern – oder auf Flohmärkten und in Museen. Ein großer Faktor war dabei die Digitalisierung, wie der folgende (unvollständige) Überblick „verschwundener Dinge“ zeigt.Lesen Sie auchSo ist im Bereich Home-Entertainment fast nichts mehr so, wie es noch vor ein paar Dekaden war. Wer damals beispielsweise einen Film sehen wollte, der gerade nicht im Fernsehen lief, trat den Gang zur Videothek an, um dort die entsprechende Ware auf Videokassette auszuleihen. Seit den späten 1970ern war diese Technologie in mehr und mehr Wohnzimmern anzutreffen, wobei Filmfans aufgrund eines Formatkriegs zunächst die Qual der Wahl hatten: Betamax, VHS oder Video 2000 – auf welches der konkurrierenden, inkompatiblen Formate sollte man setzen?Den Sieg im Krieg der Video-Systeme trug schließlich VHS davon, bis die wenig handlichen Kassetten mit mieser Bildqualität ab 1997 von der schlanken, digitalen DVD abgelöst wurden. Deren Nachfolger, die hochauflösende Blu-ray, setzte sich in einem weiteren Formatkrieg ab 2006 durch, konnte aber aufgrund der immer größeren Popularität des Internet-Streamings nie die Bedeutung erlangen, welche die Videokassette einst gehabt hatte, als die Zuschauer noch vor klobigen Röhrenfernsehern statt vor Flatscreens saßen (und das manchmal bis zum nächtlichen Sendeschluss).Lesen Sie auchWar damals der Wunschfilm in der Videothek mal wieder verliehen und somit nicht vorrätig, musste man ein paar Münzen dabeihaben, um die daheim wartenden Mitgucker von der Telefonzelle aus (deren erstes Exemplar in Deutschland 1881 aufgestellt wurde) auf deren Festnetz-Telefon anzurufen, um über Alternativen zu beraten. Ab 1990 konnte man statt Münzen immerhin auch mit Telefonkarten bezahlen, was einen regelrechten Hype auslöste, der mit dem Aufkommen von Mobiltelefonen aber endete.Lesen Sie auchFür Letztere konnte man anfangs Klingelton-Abos abschließen, deren nervtötende Werbespots (etwa auf dem heute nicht mehr existenten Musik-TV-Kanal Viva) wohl keiner vermisst. Die Handys waren bald mit Kameras ausgestattet, die erst nur Aufnahmen in bescheidener Briefmarkengröße ermöglichten, mit dem Anbrechen des Smartphone-Zeitalters ab Ende der Nullerjahre aber HD-Qualität erlangten und traditionellen Foto- und Videokameras im Alltagsgebrauch weitgehend den Rang abliefen.Einen MP3-Player, der einst den mit Audiokassetten bestückten Walkman (und dessen CD-abspielenden Nachfolger Discman) ablöste, hat heute auch niemand mehr dabei. Auch dafür ist das multifunktionale Smartphone verantwortlich, dessen Navi-Funktion für Autofahrer entsprechende separate Geräte überflüssig macht. Wie aus grauer Vorzeit wirken angesichts dessen die Straßen-Atlanten und Landkarten, mit denen Reisende früher hantierten. Wobei diese bis heute den Vorteil haben, auch dort zu funktionieren, wo es keinen Mobil-Empfang gibt.Überhaupt Papier: Die Digitalisierung hat dafür gesorgt, dass dieses Material heute viel seltener als früher anzutreffen ist. Vorbei sind die Zeiten, in denen Konsumenten dicke Versandhausbroschüren durchblätterten (der letzte Otto-Katalog wurde 2018 gedruckt) oder Branchen- und Telefonbücher wälzten. Auch in papierne Lexika blickt kaum jemand noch, der letzte gedruckte Brockhaus erschien 2005/6.All das findet jetzt im Internet statt – in das man sich nicht mehr wie in dessen Anfangszeiten in den 1990ern per Desktop-Computer mit einem piepsenden Modem einwählt, und aus dem man Inhalte nicht mehr auf Disketten abspeichert. Wer noch Exemplare dieser alten Datenträger besitzt, lagert sie meist auf dem Dachboden, gleich neben der Dia-Sammlung samt Projektor und der guten alten Schreibmaschine.Heraklits Weisheit wird auch in Zukunft Bestand haben. Die Dinge, die heute noch als topmodern gelten, sind schon morgen von gestern.Martin Klemrath ist Managing Editor bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Geschichte der USA, Technikgeschichte, Kulturgeschichte und Zeitgeschichte.
VHS, Landkarte und Co.: Diese Dinge sind aus unserem Alltag verschwunden - WELT
Diverse Gegenstände, die vor nicht allzu langer Zeit täglich nützlich waren, taugen heute nur noch als Museumsstücke. Denn die vergangenen Jahrzehnte brachten große Veränderungen mit sich – vor allem ein Faktor war dabei ausschlaggebend.







