PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenKommunalwahlDer Kampf um die Macht in KölnVeröffentlicht am 05.08.2025Lesedauer: 6 MinutenBlick auf den Kölner Dom, das Wahrzeichen der einzigen Millionen-Stadt in Nordrhein-WestfalenQuelle: picture alliance/Panama Pictures/Christoph HardtZehn Jahre lang amtierte die parteilose Henriette Reker als Oberbürgermeisterin von Köln. Zuletzt hat ihre Beliebtheit stark gelitten. Wem trauen die Wähler zu, die Probleme der Stadt zu meistern? Das Rennen der drei Kandidaten von CDU, SPD und Grünen scheint noch völlig offen.Am Ende bleibt vor allem Enttäuschung. Zehn Jahre ist Henriette Reker im Amt gewesen, und nun sagen 69 Prozent der Kölner, sie seien unzufrieden mit der Leistung ihrer Oberbürgermeisterin. Das jedenfalls ergab eine repräsentative Befragung, die kürzlich das Forsa-Institut im Auftrag der Zeitungen „Kölner Stadtanzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ durchgeführt hat. Die Stimmung ging vor allem in den letzten Jahren in den Keller, 2017 sah es noch deutlich besser aus, damals waren nur 37 Prozent der Befragten unzufrieden mit Reker. „Betrübt“ sei sie über dieses Urteil, so ließ sie nun verlauten, „aber nicht überrascht“. Selbstkritisch stelle sie fest, „nicht alles erreicht zu haben, was ich mir vorgenommen hatte“. Das ist milde formuliert. Ein Paradebeispiel für einen oft ungeschickten Führungsstil, mit dem sie immer wieder ihre eigene Verwaltung öffentlich bloßstellte, lieferte die Oberbürgermeisterin erst vor wenigen Wochen, als die Stadtverwaltung eine Umbenennung der Spielplätze in „Aktions- und Sportflächen“ ankündigte und dafür neue Schilder präsentierte. Reker kassierte den fertigen Entwurf nach bundesweitem Hohn wieder ein.Dass in Köln vieles nicht rundläuft, ist nicht neu. Seit Jahren häufen sich die Probleme: Verkehr, Vermüllung, Kriminalität. Es gibt Defizite beim Schulbau, marode Brücken, zu wenige Wohnungen, einen mangelhaften öffentlichen Nahverkehr. Die Sanierung des Opernhauses, die sich von den ursprünglich veranschlagten 253 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro verteuert hat und voraussichtlich mit einer Verzögerung von elf Jahren abgeschlossen wird, war lange Zeit Aufreger Nummer eins in der Stadt. Doch mittlerweile ist das nur noch eine Großbaustelle unter vielen. Und die nächsten Mega-Sanierungen von Kölner Kulturbauten wie Philharmonie und Museen stehen an.„Die Karten werden neu gemischt“Kein leichtes Erbe also für Rekers Nachfolger, der am 14. September bei der Kommunalwahl gesucht wird. Reker war 2015 als parteilose Kandidatin mit Unterstützung von CDU und Grünen angetreten. Eine Konstellation, die sich im Laufe der Jahre als problematisch erwiesen hat. Die beiden Fraktionen bremsten sich oft gegenseitig aus. Dieses Mal treten die Kölner Parteien mit eigenen Kandidaten an. Dies sei positiv zu bewerten, sagt der Politikwissenschaftler Conrad Ziller, Professor an der Universität Duisburg-Essen: „So besteht zumindest die Hoffnung, dass die Loyalitätskonflikte, die es bisher bei Grünen und CDU gab, und der damit einhergehende Stillstand nicht mehr ganz so groß sein werden.“ Eine Chance für die Stadt sieht Ziller auch darin, „dass kein Kandidat über den Bonus des Amtsinhabers verfügt“. Im Wahlkampf werde es folglich weniger um Personalisierung als vielmehr um Sachpolitik gehen. „Die Karten werden in Köln wirklich neu gemischt.“Elf Kandidaten stehen für die Nachfolge Rekers bereit. Chancen haben wohl nur die drei aus den Reihen von CDU, Grünen und SPD. Diese Parteien lagen bei ihren Kölner Bundestagswahlergebnissen im Februar dicht beieinander, wobei die Grünen bei den Erststimmen einen Vorsprung hatten und die CDU bei den Zweitstimmen. Ein ähnliches Bild ergibt die zitierte Forsa-Umfrage zur Kölner Kommunalwahl: 24 Prozent der Befragten gaben an, ihre Präferenz bei den Grünen zu haben, 20 Prozent tendierten zur CDU, 18 Prozent zur SPD. Zuverlässige Prognosen für die OB-Wahl lassen sich daraus allerdings kaum ableiten. Denn nur die Hälfte der Befragten ist entschlossen, dann auch für den OB-Kandidaten ihrer bevorzugten Partei zu votieren. Es ist also alles offen.WELT AM SONNTAG hat bei den Kandidaten von Grünen, CDU und SPD nachgefragt, wie sie die Kölner überzeugen wollen. Unterm Strich lässt sich sagen: Die Schwerpunkte liegen dicht beieinander – es sind die eingangs aufgeführten Themen, an denen in der Stadt ohnehin niemand vorbeikommt. Außerdem, kleiner Stresstest, fragten wir: Wie hätten Sie in der oben erwähnten Posse um die Spielplatz-Umbenennung gehandelt?Der SPD-Kandidat Torsten Burmester, 62 Jahre alt, ist nach dem Studium an der Kölner Sporthochschule „in der Stadt kleben geblieben“, wie er sagt. Nach mehreren Verwaltungsämtern in Ministerien war Burmester zuletzt Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Sein Plan für Köln: Entscheidungsprozesse der Verwaltung verschlanken und beschleunigen. „Wohnen und Bauen beispielsweise muss aus einer Hand kommen“, erklärt Burmester, „bislang sind dafür in Köln vier Dezernate eingebunden.“ Das Geld für die Verbesserung von Sauberkeit und Sicherheit, für zuverlässigen ÖPNV sowie die Förderung von Wohnungsbau will er mit einer offensiven Wirtschaftsförderung reinholen. „Es fehlt in dieser Stadt bislang an einem strukturierten Dialog mit der Wirtschaft.“ Das Schlagwort, das sich wie ein roter Faden durch Burmesters Wahlkampagne zieht: Konsequenz. Und wie ist seine Antwort in der Causa Spielplatzschild? „Solche Umbenennungen sind inzwischen Triggerpunkte in dieser Gesellschaft“, sagt Burmester. Also werde es Umbenennungen mit ihm nicht geben.Burmester und die SPD haben den strategischen Vorteil, das Zusammenspiel von CDU und Grünen für alles verantwortlich machen zu können, was in Köln zuletzt schiefging. Doch das lässt der CDU-Kandidat Markus Greitemann, 64 Jahre alt und seit 2018 Baudezernent der Stadt, nicht auf sich sitzen. „Ich bin der Einzige im Rennen, der die Kölner Probleme aus dem Inneren kennt und weiß, wie man diese angeht“, sagt Greitemann. „Ich bin nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.“ Als Beispiel führt er den Schulbau an, bei dem 30 Jahre lang nichts passiert sei, „bis ich 2018 alle Kompetenzen dafür in die Hand bekommen habe“. Damals habe es für den Schulbau 80 Millionen Euro im Jahr gegeben. „Jetzt investieren wir in diesem Bereich im Schnitt 400 Millionen Euro jährlich.“ Nach diesem Muster soll nun auch der Wohnungsbau auf Trab gebracht werden. Gewiss, so Greitemann, es gebe Konflikte zwischen Stadtpolitik und Stadtbezirkspolitik. „Die einen sagen, wir wollen keinen Flächenverbrauch; die anderen sind gegen eine Verdichtung der Innenstadträume.“ Widersprüche, die man mit „klarer Haltung und Entschlossenheit“ auflösen müsse. „Deshalb werde ich dieses Thema direkt bei mir ansiedeln.“ Ähnlich formuliert Greitemann auch sein Statement zur Spielplatzschild-Posse: „Ich hätte das intern geregelt.“ Der Prozess, wie die neuen Schilder entwickelt wurden, sei zwar in Ordnung gewesen. „Aber danach hätte Schluss sein müssen. Wir haben anderes zu tun, als Schilder auszutauschen.“Haltung und Herz – diese beiden Begriffe sind auf einigen Plakaten Greitemanns zu lesen. So ist es auch bei Berivan Aymaz. Die 53-jährige Grünen-Politikerin ist seit 2017 Mitglied des Landtags, seit 2022 als Vizepräsidentin. Und sie lebt seit 45 Jahren in Köln. Ähnlich wie Greitemann und Burmester weist sie darauf hin, „dass Köln aktuell ein Entscheidungsdefizit hat“. Also gehe es darum, Verwaltungsprozesse zu beschleunigen, „um das Vertrauen der Menschen wiederherzustellen, damit sie spüren: Diese Stadt funktioniert.“ Ihre erste Amtshandlung werde deshalb sein, „sämtliche Führungskräfte der Kölner Verwaltung einzuladen und mit ihnen darüber zu sprechen, wie wir ein neues Selbstverständnis entwickeln können“. Prozesse zu optimieren sei aber nur das eine, sagt Aymaz, sie wolle vielmehr „einen Kulturwandel in der Verwaltung herbeiführen – hin zu einem gemeinsamen, projektorientierten Lösungsansatz“. Naturgemäß hat Aymaz als Grünen-Politikerin in Sachen Autoverkehr in der Stadt sowie der Neuausweisung von Flächen für die Ansiedlung von Firmen andere Vorstellungen als CDU und SPD. Ob sie mit zu vielen grünen Transformationen nicht die Gefahr sehe, die Stadtgesellschaft zu polarisieren, anstatt sie zu einen? „Vieles, was neu ist, löst zunächst Sorgen aus“, sagt Aymaz. „So war es auch bei der autofreien Zone in der Ehrenstraße.“ Heute seien darüber alle glücklich. Eine gute Kommunikation sei entscheidend. Und wie hätte ihre Kommunikation bei der geplanten Neubeschilderung der Spielplätze ausgesehen? Aymaz zieht sich mit einer Gegenfrage aus der Affäre: „Warum kann man nicht die öffentliche Kritik an dem Entwurf aufgreifen – und diese in den partizipativen Prozess mit aufnehmen? Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen, um die es ja geht.“
Kommunalwahl: Der Kampf um die Macht in Köln - WELT
Zehn Jahre lang amtierte die parteilose Henriette Reker als Oberbürgermeisterin von Köln. Zuletzt hat ihre Beliebtheit stark gelitten. Wem trauen die Wähler zu, die Probleme der Stadt zu meistern? Das Rennen der drei Kandidaten von CDU, SPD und Grünen scheint noch völlig offen.






