Wer die Ergebnisse des ersten Zweitliga-Spieltags für überraschend hält, hat wahrscheinlich noch nicht verstanden, was diese Liga in der anstehenden Saison vorhat. Offenbar möchte sie Überraschungen künftig so standardmäßig anbieten, dass es am Ende gar keine Überraschungen mehr sind. Der Plan folgt einer einleuchtenden Logik: Wenn es nach dem Aufstieg des 1. FC Köln und des Hamburger SV ohnehin keine klaren Favoriten gibt, dann kann es auch keine Favoritenstürze mehr geben – warum also wundern, wenn der Absteiger VfL Bochum mit 1:4 bei Darmstadt 98 verliert, der vermeintliche Favorit Fortuna Düsseldorf mit 1:5 beim Aufsteiger Arminia Bielefeld oder der vermeintliche Topfavorit Hertha BSC mit 1:2 beim unberechenbaren FC Schalke 04? Beim Rundgang über ausgewählte Schauplätze lassen sich immerhin ein paar Gewinner und Verlierer des ersten Spieltags identifizieren – wobei zum Trost für die Verlierer angemerkt sei, dass sie schon am kommenden Spieltag wieder die Gewinner sein könnten.

FC Schalke 04 – Hertha BSC 2:1 (2:0)

Dem FC Schalke 04 lässt sich so einiges vorwerfen, aber mit Sicherheit nicht, dass die Vereinsverantwortlichen keinen Blick in die Nischen der Branche wagen würden. In der vergangenen Saison, der blöderweise schlechtesten Saison der bisherigen Klubgeschichte (Platz 14, 62 Gegentore), hießen die Trainer Karel Geraerts und Kees van Wonderen – ein Belgier und ein Niederländer, die hierzulande keiner kannte und an deren Wirken man sich kaum erinnern wird. Zum Start der aktuellen Spielzeit heißt der Schalker Coach nun Miron Muslic, ein 42-jähriger Österreicher mit bosnischen Wurzeln, dessen letzter Dienstnachweis ein Abstieg aus der zweiten englischen Liga mit Plymouth Argyle war. Es soll dem Vernehmen nach Schalke-Fans gegeben haben, die bei Verkündung dieser Personalie skeptisch waren.