PfadnavigationHomeSportUrteilEuropäischer Gerichtshof schwächt weltweit höchstes Sportgericht deutlichVeröffentlicht am 04.08.2025Lesedauer: 3 MinutenDer EuGH in Luxemburg hat Recht gesprochen: Nationale Gerichte dürfen künftig mitredenQuelle: Harald Tittel/dpaDopingstrafen, Transferverbote, Wettkampf-Sperren – bei Streit darüber war bislang der Sportgerichtshof Cas in Lausanne die oberste und letzte sportjuristische Instanz. Doch nun gibt es ein wichtiges Urteil. Der Europäische Gerichtshof eröffnet betroffenen Sportlern neue Möglichkeiten.Schiedssprüche des Internationalen Sportgerichtshofs Cas (Court of Arbitration for Sport) dürfen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs EuGH künftig von staatlichen Gerichten in der EU überprüft werden. Es müsse möglich sein, gerichtlich zu kontrollieren, ob die Schiedssprüche mit der öffentlichen Ordnung der Europäischen Union vereinbar seien, legte das höchste europäische Gericht fest.„Das ist ein bedeutender Tag für die Sportschiedsgerichtsbarkeit“, sagte der Sportrechts-Experte Jan F. Orth von der Universität Köln: „Der EuGH hat heute die Rechte der strukturell Schwächeren, also vor allem der Athleten und Vereine, gestärkt. Diese können nun immer mehr erreichen, dass ein nationales Gericht die Vereinbarkeit von Cas-Schiedssprüchen mit dem europäischen ,Ordre public‘ überprüft.“Der Richterspruch in Luxemburg bedeutet also eine deutliche Schwächung für den Cas: Bislang waren die Urteile des Sportgerichtshofs final. Einzig das Schweizer Bundesgericht konnte die Entscheidungen des in Lausanne – und damit außerhalb der EU – ansässigen Schiedsgerichts bei Verfahrensfehlern noch kippen. Die Richterinnen und Richter in Luxemburg hatten jetzt zu urteilen, ob das nach EU-Recht ausreicht. Cas-Generaldirektor gibt sich betont gelassen„Die Gerichte der Mitgliedsstaaten müssen in der Lage sein, die Vereinbarkeit dieser Schiedssprüche mit den Grundregeln des Unionsrechts eingehend zu überprüfen“, hieß es. Ein zentraler Punkt dürfte dabei das Kartellrecht sein. Immer wieder klagen Sportler oder Klubs gegen Regeln, die ihnen oft von großen Verbänden auferlegt werden.Der Cas gab sich in einer ersten Reaktion betont gelassen und wies darauf hin, dass die Sportrichter bereits jetzt EU-Recht anwenden würden, „wenn dies erforderlich ist“. Cas-Generaldirektor Matthieu Reeb beteuerte: „Im Dienste der internationalen Sportgemeinschaft wird der Cas weiterhin zeitnah und fachkundig Streitigkeiten weltweit schlichten.“Lesen Sie auchDer internationale Sport will mit dem Sportgerichtshof sicherstellen, dass es weltweit eine einheitliche Auslegung der Regelwerke im Sport gibt – und nicht in jedem Land unterschiedlich je nach den dortigen Gerichtsentscheidungen. So soll über Ländergrenzen hinweg Fairness im Wettbewerb sichergestellt werden. Nationale Gerichte konnten die Urteile des Cas daher grundsätzlich nur sehr eingeschränkt überprüfen. Der RFC Serain brockte dem Cas den Richterspruch einDer Cas entscheidet etwa über Disziplinarstrafen, Transfererlaubnisse und Dopingsperren. Und er steht auch in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, Sportverbände bei seinen Entscheidungen zu bevorzugen und sehr teuer für die Athleten zu sein. Die Luxemburger Richterinnen und Richter brachen nun mit ihrem Urteil ein wesentliches System im Sportrecht auf. Im konkreten Fall streitet sich der belgische Fußballverein RFC Seraing seit mehr als zehn Jahren mit dem Weltverband Fifa über das Verbot der sogenannten Dritteigentümerschaft (Third-Party Ownership, kurz TPO). Dieses regelt, dass wirtschaftliche Rechte von Spielern nicht an Investoren verkauft werden dürfen. Das Verbot ist in den Regelwerken der Fifa, der Europäischen Fußball-Union Uefa und der nationalen Verbände festgelegt.Die Fifa hatte dem Klub deshalb untersagt, dass externe Investoren Rechte an Spielern erwerben und ihn 2015 mit einer Transfersperre und Geldstrafe belegt. Der Fall landete vor dem Cas, der im Sinne der Fifa entschied. Auch das Schweizerische Bundesgericht hatte nichts daran auszusetzen. Daraufhin stellte Seraing die Unabhängigkeit des Cas infrage, da dieser durch internationale Verbände finanziert wird.pk
Cas-Urteil: Europäischer Gerichtshof schwächt das höchste Sportgericht der Welt deutlich - WELT
Dopingstrafen, Transferverbote, Wettkampf-Sperren – bei Streit darüber war bislang der Sportgerichtshof Cas in Lausanne die oberste und letzte sportjuristische Instanz. Doch nun gibt es ein wichtiges Urteil. Der Europäische Gerichtshof eröffnet betroffenen Sportlern neue Möglichkeiten.







