Litauens Regierungschef Gintautas Paluckas will nach Vorwürfen von Interessenkonflikten und Vetternwirtschaft sein Amt aufgeben. „Ich habe die Entscheidung getroffen, vom Amt des Ministerpräsidenten zurückzutreten“, kündigte Paluckas in einer Mitteilung an.

Demnach will der Sozialdemokrat in Kürze sein offizielles Demissionsgesuch an Präsident Gitanas Nauseda übergeben. Das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass ihn Paluckas angerufen und über diesen Schritt informiert habe.

Paluckas geriet zuletzt aufgrund zunehmender Vorwürfe wegen dubioser Geschäftsbeziehungen in die Kritik und sah sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt – darunter auch von einem der beiden Koalitionspartner seiner Mitte-links-Regierung. In Litauen laufen Ermittlungen wegen früherer sowie aktueller Geschäfte und Transaktionen des 45-jährigen Regierungschefs, der bislang jegliche Interessenkonflikte bestritten und die Vorwürfe als bewusste Angriffe von politischen Gegnern zurückgewiesen hat.

Der Präsident hatte Paluckas ein Ultimatum gestellt

Präsident Nauseda, der den Rücktritt als „richtige Entscheidung“ bezeichnet, hatte zuletzt den Druck auf den Regierungschef erhöht. Das Staatsoberhaupt gab ihm zwei Wochen Zeit, auf die wachsenden Bedenken der Öffentlichkeit zu reagieren oder seinen Verbleib im Amt zu überdenken. Paluckas nahm deshalb Anfang der Woche einen 14-tägigen Urlaub.