PfadnavigationHomeICONISTModeModesatireWarum die Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ schon jetzt für so viel Aufsehen sorgtVeröffentlicht am 30.07.2025Lesedauer: 7 Minuten„Der Teufel trägt Prada“ mit Anne Hathaway in einer der Hauptrollen war 2006 ein großer Kinoerfolg. Für das kommende Jahr ist ein zweiter Teil geplantQuelle: Getty Images/Arnaldo MagnaniDie Dreharbeiten haben gerade erst begonnen, da fluten schon Bilder vom Set die sozialen Medien. Die einen analysieren jedes Detail – die anderen möchten sich lieber überraschen lassen. Für viele ist „Der Teufel trägt Prada“ längst ein Kultfilm. Zu Recht, findet unsere Autorin.„Der Teufel trägt Jacquemus“, kommentierte kürzlich der französische Modedesigner Simon Porte Jacquemus ein Foto von Meryl Streep beim Dreh des zweiten Teils von „Der Teufel trägt Prada“ auf der Instagram-Seite seiner 2009 gegründeten Marke. Der Film, dessen Fortsetzung derzeit in New York gedreht wird, kam 2006 in die Kinos. Heute genießen sowohl „Der Teufel trägt Prada“ als auch Jacquemus bei vielen Kultstatus. Auch deshalb sorgte das Foto von Streep als Miranda Priestly, der unerbittlichen Chefredakteurin eines Modemagazins, mit einer Jacquemus-Tasche in den Händen für Begeisterung in der Kommentarspalte.Zwischen abgewandelten Filmzitaten, Applaus- und Herzchen-Emojis finden sich aber auch andere Stimmen: „Können wir bitte den Film abwarten? Ihr alle ruiniert es mir mit den vielen Blicken hinter die Kulissen“, lautet ein Kommentar. Der Film, der erst im Mai 2026 in den Kinos starten soll, ist schon jetzt medial sehr präsent – zu präsent, finden einige. Auf dem Account @boringnotcom etwa wird gefordert: „Hört auf, uns ,Der Teufel trägt Prada‘ aufzuzwingen.“ Auf @thekitchenconversation wird gefragt: „Teaser oder zu viel?“ Eine Autorin der britischen „Vogue“ merkt an, dass nicht nur in diesem Fall immer öfter Aufnahmen von Filmsets lange vor der Premiere für Spekulationen über potenzielle Plots sorgen.Andere können hingegen gar nicht genug Details vorab erfahren. Sie kommentieren Knitterfalten im Sakko von Stanley Tucci als Nigel, Uhren an Meryl Streeps Handgelenk und Outfits – auch die von Anne Hathaway als Andy Sachs. An der Seite der Nachwuchsjournalistin, die eigentlich ganz anderes als Mode im Sinn hat, als sie im ersten Teil zur Assistentin der strengen Chefredakteurin wurde, stolperte das Publikum 2006 in die glitzernd-raue Welt der Luxusmode. Eine für viele fremde Welt, mit eigenen Regeln, voller schöner Kleider und sehr schlanker Menschen, mit großem wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Einfluss. Eine Welt, zu der die einen nur zu gerne Zugang hätten und die anderen nur belächeln.Der Film von 2006 basiert auf dem drei Jahre zuvor erschienenen Bestseller „Der Teufel trägt Prada“ von Lauren Weisberger, einst Assistentin von „Vogue“-Chefin Anna Wintour. Mittlerweile gibt es auch ein Musical mit Songs von Elton John dazu. Auch wenn die teuflische Chefredakteurin in Buch, Film und Musical anders heißt und aussieht, waren und sind viele überzeugt, dass Wintour die Inspiration zur Figur war. So dominant und ungeduldig Streep als Chefredakteurin auch auftrat: Die Oscar-Gewinnerin schaffte es, ihr auch sympathische, bewundernswerte Momente zu schenken. Bis heute wird Miranda Priestly oft zitiert, auch ohne Worte, wenn etwa ihr Missfallen von Labubus an Luxushandtaschen gemutmaßt wird.Lesen Sie auchGeschadet hat das dem Kult rund um die 1892 erstmals erschienene und 1909 von Condé Nast erworbene „Vogue“ nicht. Das ahnt gewiss auch Anna Wintour. Als sie 2017 die Oscar-Gewinnerin Streep für ein Interview in der Redaktion der US-„Vogue“ empfing, fragte sie: „Wer war die herausforderndste Frau, die Sie je gespielt haben?“ Streep überlegte kurz, lächelte, deutete leicht auf ihr Gegenüber und setzte gerade zu einem „Sie“ an, da winkte Wintour lachend ab. 2024 sagte sie der BBC bei der Musical-Premiere, das Publikum und Menschen, mit denen sie arbeite, sollten entscheiden, ob es Ähnlichkeiten zwischen ihr und Priestly gebe. Laut einer 2022 über sie erschienenen Biografie wusste Wintour nicht einmal, welche ihrer ehemaligen Assistentinnen „Der Teufel trägt Prada“ geschrieben hatte. Das passt ins Bild der eiskalten Chefin, deren Beispiel auch zeigt, wie unterschiedlich Erwartungen an weibliche und männliche Führungskräfte schon immer waren. Was bei Frauen hart wirkt, gilt bei Männern häufig als entschlossen und durchsetzungsstark. „Sie ist einfach beschäftigt (…) sie ist nicht herzlich und freundlich, sie macht ihren Job“, sagte Tom Florio, damals Herausgeber der US-„Vogue“, in der 2009 erschienenen Dokumentation „The September Issue“. Und David Frankel, Regisseur von „Der Teufel trägt Prada“, sagte 2016 in einem Interview: „Wir sollten begeistert sein, Menschen zu haben, die in dem, was sie tun, hervorragend (…) sind. Die Tatsache, dass sie nicht immer nett sind, ist irrelevant.“ Selten wurden Themen wie diese so Popcorn-Kino-tauglich für die große Leinwand inszeniert.Lesen Sie auchNicht nur die strenge Chefin, auch die überambitionierte Kollegin Emily lernt das Publikum an der Seite der anfangs nur staunenden Andy im ersten Teil des Films kennen. Auch ihr wird noch Jahrzehnte später in den sozialen Medien mit Memes und GIFs gehuldigt: Als Anspielung auf die ebenfalls im Modezirkus spielende Serie „Emily in Paris“ und den unerfüllten Traum der Film-Emily, ihre Chefin zur Fashion Week nach Paris zu begleiten, geistern seit Jahren Bilder von ihr durch Social Media, versehen mit den Worten: „Die einzige Emily, die es verdient, in Paris zu sein.“ Emily Blunt wurde in der Rolle ihrer Namensvetterin 2006 weltbekannt, in dieser Woche wurde auch sie am Set der Fortsetzung gesichtet.Spätestens jetzt fällt auf: Die tragenden Rollen in diesem Film spielen Frauen. Ihre Figuren begegnen einander bei der Arbeit, darum kreisen auch ihre Gespräche, Kämpfe und Sehnsüchte. Nur manchmal kommt das Liebesleben dazwischen, müssen eine Scheidung und eine sich anbahnende Trennung bewältigt werden. Männer besetzen nur Nebenrollen – und dienten laut Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna in Andys Fall vor allem dazu, zu zeigen, wie sich deren Charakter entwickelt. Der Film sei „eine Art ,Wall Street‘ für Ladys“.Lesen Sie auchEin Mann sticht positiv hervor: Nigel, der Art Director. Seiner Chefin ist er zu loyal ergeben, Andy gegenüber ist er ehrlich, aber wohlgesonnen. Er führt sie an die Mode heran. Mit Andy können sich nicht nur viele identifizieren, weil sie selbst schon tyrannisches Führungspersonal erlebt haben, auch ihr anfänglicher Blick auf Mode als oberflächlich und trivial dürfte vielen bekannt vorkommen. In einer viel zitierten Szene erklärt ihr die Chefredakteurin die Ignoranz ihrer Vorstellung, Mode habe mit ihr, Andy, nichts zu tun. Anhand des „plumpen“ Pullovers, den Andy trägt, skizziert sie den Weg, den dessen Farbe (Azurblau!) von den Laufstegen bis auf die Wühltische zurücklegte: „Es grenzt fast an Komik, dass Sie tatsächlich der Meinung sind, sich der Modewelt zu entziehen. Und das, obwohl Sie einen Pullover tragen, der von den Menschen in diesem Raum für Sie ausgewählt wurde.“Glaubwürdigkeit verleihen die Kostüme, für die Patricia Field zuständig war – sie zeigte schon bei der Serie „Sex and the City“, dass sie viel mehr als nur Requisite sein können. Ihr Budget für die Kostüme in „Der Teufel trägt Prada“ soll 100.000 US-Dollar betragen haben, hinzu sollen Leihgaben von Designern im Wert von einer Million US-Dollar gekommen sein. Die ganze detailverliebte Kostümpracht entfaltet sich vor allem in einer Montage, die Andys modisches Erwachen dokumentiert. Wer diesmal das Kostümdesign leitet, ist noch nicht bekannt; neben Jacquemus sah man an den Schauspielerinnen schon Outfits von Gabriela Hearst und Ralph Lauren.Nicht nur modisch erweist sich der erste Teil des Films als zeitlos: Die häufigen Anspielungen auf Andys Konfektionsgröße mögen zwar in den Augen mancher Zuschauer schlecht gealtert sein, aber nach dem kurzen Aufbäumen der Body-Positivity-Bewegung gehören extrem schlanke Figuren heute längst wieder zum Standard in der Mode. Auch das Thema Work-Life-Balance schaffte es damals auf die Leinwand – in einer Zeit, in der es noch als schick galt, besonders lange und viel zu arbeiten, betont eine Autorin des britischen Magazins „Stylist“.Unternehmenskultur, Frauenbilder, Mode – wie die Fortsetzung all das, was „Der Teufel trägt Prada“ vor fast 20 Jahren zu so einem besonderen Film machte, ins Heute transportiert, dürfte spannend werden: Geht es schief, so wie in den ersten Staffeln des „Sex and the City“-Ablegers „And Just Like That“, in denen der Wunsch, dem woken Zeitgeist zu entsprechen, die Figuren ins Karikatureske abrutschen ließ? Welche Rolle wird der Wandel in der Medienwelt spielen, in der gedruckte Hochglanzmagazine mit unzähligen Influencern konkurrieren? Und was wird der Teufel tragen? Wer all das erst im kommenden Mai erfahren möchte, sollte Social Media in diesen Tagen lieber meiden – und vielleicht ein gutes Buch lesen. „Der Teufel trägt Prada“ zum Beispiel.
„Der Teufel trägt Prada“: Darum ist der Hype um den zweiten Teil so groß - WELT
Die Dreharbeiten haben gerade erst begonnen, da fluten schon Bilder vom Set die sozialen Medien. Die einen analysieren jedes Detail – die anderen möchten sich lieber überraschen lassen. Für viele ist „Der Teufel trägt Prada“ längst ein Kultfilm. Zu Recht, findet unsere Autorin.






