PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKiel Institut„Zu diesem Zoll-Deal hätte es für die EU gute Alternativen gegeben“Veröffentlicht am 29.07.2025Lesedauer: 2 MinutenEin Deal mit Folgen: US-Präsident Donald Trump schüttelt der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen die HandQuelle: Jacquelyn Martin/AP/dpaDie EU einigt sich mit den USA auf einen Zollkompromiss – und riskiert damit nach Ansicht von Experten aus Kiel und Hamburg nicht nur den Zorn der Exportwirtschaft, sondern auch die Glaubwürdigkeit des multilateralen Handelssystems. Warnungen vor einem gefährlichen Präzedenzfall werden laut.Der vereinbarte Handelsdeal zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten sorgt für kontroverse Diskussionen unter Experten und Wirtschaftsvertretern auch im Norden. Die Vereinbarung sieht Zollsätze von 15 Prozent für europäische Exporte in die USA vor und konnte damit zwar einen unmittelbaren Handelskonflikt abwenden, doch die Kritik an den langfristigen Folgen für den regelbasierten Welthandel ist deutlich.Prof. Julian Hinz vom Kiel Institut für Weltwirtschaft bezeichnet den Deal als „Appeasement“, also als eine Politik der Beschwichtigung. Aus seiner Sicht verlässt die EU mit dieser Einigung die Prinzipien des multilateralen Handelssystems der Welthandelsorganisation (WTO), das bislang maßgeblich zum europäischen Wohlstand beigetragen habe. Hinz warnt vor einem gefährlichen Präzedenzfall: Der Deal könnte andere Länder dazu ermutigen, politisch motivierte und willkürliche Zollerhöhungen durchzusetzen. Langfristig drohe eine Eskalation von Handelskonflikten, verbunden mit insgesamt höheren Zöllen – eine Entwicklung, die insbesondere Exportnationen wie Deutschland empfindlich treffen würde.Für Hinz hätte es auch gute Alternativen für die EU zu dieser Abmachung gegeben. „Statt auf einen einseitig nachteiligen Deal einzugehen, hätte die EU gemeinsam mit anderen betroffenen Wirtschaftsnationen wie Kanada, Mexiko, Brasilien und Südkorea eine Koalition bilden können. Damit wäre ein wirkungsvolles Gegengewicht zu den amerikanischen Zolldrohungen entstanden.“ Stattdessen stärke der neue geschlossene Deal die Strategie von Trump, andere Wirtschaftsnationen gegeneinander auszuspielen.Auch Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg, äußert sich kritisch. Für ihn ist der EU-US-Handelsdeal kein Durchbruch, sondern lediglich Schadensbegrenzung. Zwar sei ein akuter Konflikt vermieden worden, doch die vereinbarten Basis-Zölle belasteten Hamburgs Wirtschaft weiterhin erheblich. Aust fordert daher bessere politische Rahmenbedingungen innerhalb der EU – weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie mehr Investitionen in Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur. Zudem müsse die EU neue Märkte durch weitere Freihandelsabkommen erschließen. Hamburg als größter Außenhandelsstandort Deutschlands müsse sich dabei aktiv in Berlin und Brüssel einbringen.Ein zentraler Kritikpunkt beider Experten betrifft die Vereinbarkeit des Deals mit den Regeln der WTO. Diese sehen vor, dass Mitgliedsländer gleiche Zollsätze für alle anderen Mitglieder anwenden müssen – das sogenannte Meistbegünstigungsprinzip. Ausnahmen sind nur im Rahmen von Freihandelsabkommen erlaubt, bei denen beide Seiten ihre Zölle auf null reduzieren. Der aktuelle Deal zwischen der EU und den USA widerspricht diesen Grundsätzen, da er einseitige Zollvergünstigungen vorsieht.
Kiel Institut: „Zu diesem Zoll-Deal hätte es für die EU gute Alternativen gegeben“ - WELT
Die EU einigt sich mit den USA auf einen Zollkompromiss – und riskiert damit nach Ansicht von Experten aus Kiel und Hamburg nicht nur den Zorn der Exportwirtschaft, sondern auch die Glaubwürdigkeit des multilateralen Handelssystems. Warnungen vor einem gefährlichen Präzedenzfall werden laut.
















