Die Laufwege der Aitana Bonmatí sind meist unergründlich. Irgendwo zwischen Mittelfeld und Angriff, auf der rechten Seite des spanischen Spiels, bewegt sie sich durch die Reihen, so viel ist bekannt. Man kann das an sogenannten Heatmaps ablesen, also Grafiken, die zeigen, wo auf dem Feld eine Spielerin sich wie oft aufhält. Meistens sind diese bei Aitana Bonmatí glühend rot, dann ist sie überall und hat das Spiel im Griff. Wohin genau sie aber dribbeln und passen wird, das wissen oft nicht einmal ihre Mitspielerinnen; ihre Unberechenbarkeit ist ein Trumpf der Spanierinnen. Und doch gab es auch gegen Deutschland wieder einen Laufweg, der für Bonmatí typisch ist. Der vielleicht noch mehr über sie erzählt als die kleinen Bewegungen, mit denen sie auch das Halbfinale dieser Europameisterschaft entschied.

Als der Schlusspfiff ertönte im Letzigrund-Stadion von Zürich und die Spanierinnen im Mittelkreis in einer Jubeltraube zusammenkam, ging Bonmatí zu Klara Bühl. Sie klopfte ihr auf die Schulter, nahm sie in den Arm, dann setzte sie ihren Weg durch die deutschen Reihen fort. Eine knappe Minute ging das so, später erklärte Bonmatí diese Geste. Am Ende eines Spiels „ist mein erster Gedanke immer bei den Gegnerinnen“, sagte sie. „Sie haben ein großartiges Turnier gespielt, ich wollte ihnen meinen Respekt ausdrücken.“ Erst danach kam auch Bonmatí in den Mittelkreis dazu, aber ohne im Mittelpunkt zu stehen.