PfadnavigationHomeRegionalesHamburgNach Volpi-AusDreierteam übernimmt länger die Interimsleitung beim Hamburg BallettVeröffentlicht am 24.07.2025Lesedauer: 3 MinutenHier war die Krise noch nicht öffentlich. Ballettintendant Demis Volpi
(r.) mit Tänzern des Hamburg Balletts bei Proben zu „The thing with feathers"Quelle: Bertold Fabricius/WELTDemis Volpi ist weg, jetzt steht aber immerhin fest, wie das Hamburg Ballett in der kommenden Saison geleitet wird. Der Aufsichtsrat setzt weiter auf ein internes Team. Die Suche nach einer neuen Intendanz beginnt erst nach der Aufarbeitung der Volpi-Zeit.Nach dem Abgang von Demis Volpi im Juni steht fest, wer das Hamburg Ballett in der kommenden Spielzeit führen wird. Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat entschieden, für die Zeit, die es braucht, um eine neue Intendanz zu finden, mit einer Übergangslösung zu arbeiten. Eine dauerhafte Nachfolge für den im Juni freigestellten Ballettintendanten Volpi soll in aller Ruhe gefunden werden können.Angedeutet hatte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) bereits in der vergangenen Woche im Kulturausschuss der Bürgerschaft, nun folgte die offizielle Entscheidung des Aufsichtsrates. Die Leitung übernehmen drei vertraute Namen aus dem Haus: Nicolas Hartmann wird zum interimistischen Geschäftsführenden Ballettbetriebsdirektor und damit zum dritten Geschäftsführer der Staatsoper ernannt. Gemeinsam mit dem langjährigen stellvertretenden Ballettintendanten Lloyd Riggins und der stellvertretenden Direktorin der Ballettschule Gigi Hyatt soll er die Compagnie durch die kommende Saison führen. Riggins verantwortet die künstlerische Leitung, Hyatt die Ballettschule – jeweils in enger Abstimmung mit Hartmann. Lesen Sie auch„Das Hamburg Ballett steht für künstlerische Exzellenz und eine starke emotionale Bindung zum Publikum“, sagt Hartmann. Er wolle die Verantwortung „mit Respekt vor der Geschichte und einem klaren Blick nach vorne“ übernehmen. Riggins spricht von einer „großen Verantwortung und einer großen Chance“, die Compagnie in eine „glänzende Zukunft“ zu führen.Die Entscheidung ist Folge einer tiefen Krise: Volpi, der erst zu Beginn der laufenden Spielzeit die Nachfolge von Ballett-Ikone John Neumeier angetreten hatte, wurde nach massiver Kritik aus dem Ensemble freigestellt. Tänzer und Tänzerinnen warfen ihm ein toxisches Arbeitsklima, mangelnde Präsenz und künstlerische Beliebigkeit vor. Mehrere erste Solisten kündigten, ein Solidaritätsbrief aus Düsseldorf bekräftigte die Vorwürfe. Die Staatsoper reagierte mit einer Gefährdungsanalyse – und noch bevor diese vorlag schließlich mit einem Auflösungsvertrag.Nun soll ein extern moderierter Prozess nach der Sommerpause Grundsätze der Zusammenarbeit und Erwartungen an einen künftigen Intendanten oder eine neue Intendantin definieren. Erst danach beginnt die Suche nach einer dauerhaften Leitung. Kultursenator Brosda sprach am Donnerstag von einem „Neuanfang“. Die gemeinsame Interimsleitung bringe „die Erfahrung und das Wissen mit, das Hamburg Ballett in einer entscheidenden Übergangsphase professionell zu leiten.“Lesen Sie auchDas Dreier-Team soll das Neumeier-Erbe pflegen und zugleich das Repertoire erweitern. Für Neuproduktionen sollen zudem „herausragende Choreografinnen und Choreografen“ verpflichtet werden, „die im Zusammenspiel mit dem kreativen Potenzial der Compagnie zur Qualität des Hamburg Ballett beitragen werden“, hießt es von der Kulturbehörde. Beschlossen ist die Interimslösung für die kommende Spielzeit. Im Gespräch mit WELT machte eine Sprecherin jedoch deutlich, dass es sich dabei um einen formalen Beschluss handele. Sollte die Intendantensuche länger als eine Spielzeit dauern, werde die Interimslösung verlängert. Zeitlicher Druck soll keiner entstehen. Im Kulturausschuss der Bürgerschaft hatte Brosda erklärt, es gehe nun darum, gemeinsam mit der Compagnie neue Kriterien für die Berufung des nächsten Intendanten zu entwickeln. Dies könne länger als ein Jahr dauern und, so Brosda, und weiter „ich kann nicht einmal versprechen, dass es beim zweiten Mal besser wird.“Lesen Sie auchDas Hamburg Ballett existiert in seiner heutigen Form seit 1973. Damals übernahm der US-amerikanische Choreograf John Neumeier die Leitung der Compagnie und prägte sie über fünf Jahrzehnte hinweg. Unter seiner Führung entwickelte sich das Ensemble zu einer festen Größe im internationalen Ballettbetrieb.Auch institutionell hinterließ Neumeier deutliche Spuren. 1978 gründete er die Ballettschule des Hamburg Ballett, die bis heute eng mit der Compagnie verbunden ist. Viele Tänzer und Tänzerinnen wurden dort ausgebildet und wechselten später ins Ensemble. Die Ära Neumeier endete im Sommer 2024. Nachfolger Volpi wurde von der Kulturbehörde als jemand präsentiert, der das Hamburg Ballett „zwischen Tradition und Gegenwart“ weiterentwickeln sollte. Seine Berufung galt als Versuch, neue künstlerische Impulse zu setzen, ohne das Erbe Neumeiers zu vernachlässigen.juve






