Die Grenzbrücke über die Our lag in Trümmern, die Ruinen waren schwarz vom Granatenhagel, und im Fluss hing noch Stacheldraht. Auch die an der Brücke gelegene Tintesmühle war bei den Rückzugsgefechten der deutschen Besatzer verwüstet worden. Obwohl Germaine Schroeder damals noch ein Kind war, kann sie sich gut an das Höllenfeuer erinnern, das sich im Winter 1944/45 über die nördliche Ecke Luxemburgs und den Nordosten Belgiens wälzte. Die Ardennenschlacht war Hitlers letzter verzweifelter Versuch, trotz der Landung der Alliierten in der Normandie noch einen strategischen Sieg an der Westfront zu erzielen und den Hafen von Antwerpen zurückzuerobern. Als Germaine Schroeder mit ihren Eltern von der Flucht vor den Deutschen zurückkehrte, war die stolze Wassermühle, seit 1853 im Familienbesitz, nicht mehr funktionsfähig. „Doch wir hatten Glück, denn wir waren am Leben“, sagt die 87 Jahre alte Frau, als wir mit ihr in der Tintesmühle sitzen und in Alben mit vergilbten Fotos blättern. Die Menschen in Kalborn, nur eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, hätten kein Glück gehabt, sagt Germaine Schroeders Mann Arsène Bertemes: „Wenige Wochen vor der Befreiung durch die Alliierten wurden dort sieben Männer hingerichtet. Und das nur, weil Wehrmachtsoldaten eine verrostete Flinte gefunden hatten, die im Stroh versteckt war.“