Seit einigen Jahren gibt es den Wellnesstrend, Knochenbrühe für das allgemeine Wohlbefinden zu trinken. Anhänger schwören: Das ausgekochte Gemisch aus Karkassen mache sowohl Haut als auch Gelenke geschmeidiger. Doch was heutzutage manchen als Superfood-Geheimtipp gilt, ist eine Kulturtechnik, die womöglich noch viel älter ist als bislang angenommen.
Denn schon der Homo neanderthalensis könnte um die wertvollen Nährstoffe im tierischen Knochenmark gewusst haben. Um daran zu gelangen, zerschlugen Neandertaler wohl systematisch die Knochen von großen Säugetieren und kochten diese in Wasser aus. Dieses Vorgehen gleiche einer Art prähistorischer „Fett-Fabrik“, schreibt ein Team um den Archäologen Lutz Kindler vom Archäologischen Forschungszentrum Monrepos der Leibniz-Gemeinschaft in einer kürzlich veröffentlichten Studie in der Fachzeitschrift Science Advances.
Belege für diese Verarbeitung soll der Fundort Neumark-Nord 2 liefern, der sich zehn Kilometer südlich von Halle befindet. Dort fanden die Forscher Knochen von mindestens 172 Großsäugern wie Rindern, Pferden und Auerochsen, die die Neandertaler gezielt zerteilt haben sollen. Auf einer gerade einmal 50 Quadratmeter großen Fläche bargen die Forscher 120 000 Knochenfragmente, 16 000 Feuersteinwerkzeuge und weitere Artefakte. Die „außergewöhnlich gut erhaltenen“ Überreste stammen demnach aus der Eem-Warmzeit vor rund 125 000 Jahren, als das Klima etwas wärmer war als heute.






