Die Badesaison hat begonnen, und die Kulisse im Vorstadtfreibad wirkt, als sei das hier eine Leistungsschau der bildenden beziehungsweise stechenden Kunst. Zwischen Wellenbecken, Sprungturm und Liegewiese bewegt sich ein großes Wimmelbild aus verzierten Körpern. Einige Tätowierungen steigern die Attraktivität ihrer Träger, andere, sogar die Mehrzahl, befremden. An diesem Tag wartet zum Beispiel eine junge Frau in der Schlange vor der Eisbude, die das Logo einer französischen Luxusmarke über die Breite ihres Oberschenkels trägt, das sonst vor allem populäre Statussymbol-Handtaschen ziert. Am Beckenrand steht ein Mann, über dessen Bauch groß „2001“ gestochen ist, in einem Stil, als hätte jemand im Schulunterricht vor Langeweile ein Heft bekritzelt.