Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterbindet erneut alle Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Grund sind offenbar Drohungen des rechtsextremen Finanzministers Bezalel Smotrich, die Koalition zu verlassen. Zuvor hatte Netanjahu bereits die israelische Armee aufgefordert, innerhalb von zwei Tagen einen Plan zu entwickeln, wie die humanitäre Hilfe in Gaza nicht mehr von der Hamas gestohlen werden kann. Bereits seit Mitte März hatte Netanjahu alle Hilfen nach Gaza für elf Wochen gestoppt. Auch damals sprach die Regierung davon, dass verhindert werden solle, dass humanitäre Hilfe an die Hamas gerät.

Internationale Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen haben wiederholt darauf hingewiesen, dass es keine Belege für großflächige Diebstähle von Essen und Hilfsgütern gebe. Sie machen vielmehr die schlechte Sicherheitslage nach 20 Monaten Krieg dafür verantwortlich, dass kriminelle Banden Lebensmittel stehlen. Darunter auch eine Gruppe Beduinen unter Führung von Yasser Abu Shabab, der in der Vergangenheit wegen Drogenhandels verurteilt wurde und dessen Gruppe Verbindungen zur Terrorgruppe Islamischer Staat unterhält. Netanjahu hatte Anfang Juni eingeräumt, dass die Bande von Israel mit Waffen versorgt werde, da sie auch gegen die Hamas kämpfe. Die soll sich nach israelischen Angaben mittlerweile zu einem großen Teil aus dem Weiterverkauf von gestohlenen Hilfsgütern finanzieren, ein Vorwurf, der bisher nicht belegt wurde. Internationalen Journalisten verwehrt Israel seit 20 Monaten den Zugang zu Gaza.