Schon im normalen Leben ist es schwierig, immer den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Soll man für den Urlaub auf den Frühbucherrabatt setzen oder auf besonders günstige Restplätze spekulieren? Auch so mancher Firmenpatriarch verpasst es, rechtzeitig den Chefsessel zu räumen. Besonders knifflig ist es in der Politik, auf der Welle zu surfen, statt von ihr weggespült zu werden. Den Finger zu heben, um für ein Amt zu kandidieren, oder seinen Abschied zu verkünden - für beides kann es zu früh oder zu spät sein.

Wer weiß, ob Edmund Stoiber schnöde aus seinen Ämtern gejagt worden wäre, wenn er sich im Januar 2007 nicht vom Briten David Cameron hätte irritieren lassen. Der war, damals noch britischer Oppositionsführer, Gast auf der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe und auch bei der Abschlusspressekonferenz dabei. Stoiber wankte zu der Zeit schon bedenklich, die Treueschwüre seiner Parteifreunde klangen immer hohler. Ein Journalist fragte ihn, ob er beabsichtige, nach der Landtagswahl 2008 für volle fünf Jahre im Amt zu bleiben.

Noch ehe Stoiber antworten konnte, rief Cameron, der offenbar ein bisschen Deutsch konnte, dazwischen: „Never leave things unfinished“ - bloß nichts unvollendet lassen. Prompt bekundete Stoiber, natürlich wolle er für die gesamte Legislaturperiode bleiben. Und löste damit in seiner Partei einen Tsunami aus. Denn dort hatten die meisten gehofft, dass Stoiber, wenn man ihn schon nicht vor der Wahl zum Verzicht bewegen könne, wenigstens zur Hälfte seiner Amtszeit freiwillig das Feld räumt. Als sich wenige Tage später die Landtagsabgeordneten am gleichen Ort trafen, wurde sein Sturz beschlossen.