PfadnavigationHomeWirtschaftÜbernahmegerüchteDie großen Öko-Träume kosten BP jetzt womöglich die EigenständigkeitVeröffentlicht am 27.06.2025Lesedauer: 3 MinutenSchon vor vielen Jahren änderte BP sogar seinen Namen: Statt für „British Petroleum“ sollte BP nun für „Beyond Petroleum“ stehen – also „Jenseits von Öl“Quelle: REUTERS/Kacper PempelDer britische Mineralölkonzern BP hatte sich mehr als seine Wettbewerber der ökologischen Transformation verschrieben – und sich dabei womöglich verhoben. Jetzt steht der Konzern einem Bericht zufolge vor einer Übernahme durch Shell. Es wäre eine historische Zäsur auf dem Ölmarkt.Der Ölmulti Shell steht einem Medienbericht zufolge vor einer möglichen Übernahme seines Rivalen BP. Shell führe erste Gespräche mit BP über einen Kauf, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Übernahme hätte einen Wert von rund 80 Milliarden Dollar.Shell reagierte kurze Zeit später zwar mit einem Dementi: Man befinde sich „nicht in aktiven Übernahmegesprächen“, verlautete der Konzern. Man stelle klar, dass „das Unternehmen nicht aktiv erwägt, ein Angebot für BP abzugeben.“ Shell habe weder Kontakt zu BP aufgenommen hat, noch hätten Gespräche mit dem Unternehmen „hinsichtlich eines möglichen Angebots stattgefunden.“Allerdings tauchen entsprechende Gerüchte immer wieder am Markt auf. Möglicherweise geht es auch nicht um „aktive Übernahmegespräche“ auf Konzernebene, sondern nur um informelle Sondierungen von Seiten der Anteilseigner. Bei BP hatte sich vor einigen Monaten der aktivistische Hedgefonds Elliott eingekauft – und der setzt das Management seither stark unter Druck, den Unternehmenswert zu steigern. BP gilt schon geraume Zeit als geschwächt: Die wirtschaftliche Performance blieb hinter seinen Wettbewerbern weit zurück. Nach Bekanntwerden der Übernahmegerüchte stieg der Aktienkurs von BP zunächst um rund acht Prozent an. BP hatte sich bereits früh auf weitgehenden Umwelt- und Klimaschutz eingestellt und das Geschäft mit erneuerbaren Energien stark ausgebaut. Schon vor rund zwanzig Jahren hatte der Konzern seinen Konzernnamen „BP“ von „British Petroleum“ in „Beyond Petroleum“ umgedeutet: „Jenseits des Erdöls“ wollte man saubere Energiequellen für die Menschheit suchen. Konkurrenten, die auf Öl setzten, stehen besser daDas kostete jedoch viel und brachte den Aktionären eher wenig. Unternehmen wie ExxonMobil oder Shell, die nah am Kerngeschäft – der Produktion von Kohlenwasserstoffen in Form von Erdgas oder Erdöl blieben – profitieren von der globalen Energiepreis-Entwicklung deutlich besser. Lesen Sie auchDenn die Geschäfte etwa im Solarbereich entwickelten sich enttäuschend, in jüngster Zeit zerschlugen sich auch die großen Hoffnungen in Bezug auf den klimaneutralen Energieträger Wasserstoff. Das Raffinerie-Geschäft gerade auch auf dem für BP sehr wichtigen deutschen Markt erforderte hohe Investitionen in die Transformation bei zugleich unsicheren Zukunftsaussichten. Der aktivistische Investor Elliott zog bei BP ein und drängte das Management zu drastischen Kurskorrekturen.Lesen Sie auchZuletzt weitete BP seine Pläne für Erdöl-Exploration deshalb auch wieder aus, doch kam die Wende womöglich zu spät. Die jüngsten Ereignisse im Iran könnten zu einer Annäherung von Shell und BP beigetragen haben: Der BP-Konzern ist unter anderem im Irak stark exponiert und vom Krieg zwischen Iran und Israel indirekt betroffen. Die geopolitischen Entwicklungen könnten Übernahmegespräche nun noch attraktiver erscheinen lassen. Laut „Wall Street Journal“ seien die Übernahmegespräche noch am Anfang, doch werde das Angebot von Shell „sehr ernsthaft“ geprüft, berichtet das Blatt. Durch eine Fusion von Shell und BP könnte Europa Sitz eines Energiemultis werden, der auf Augenhöhe mit den globalen Marktführern wie ExxonMobil oder ConocoPhilips aus den USA spielt, aber auch besser gegenüber den staatlichen Multis wie Saudi-Aramco mithalten könnte. Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.
Übernahmegerüchte: Die großen Öko-Träume kosten BP jetzt womöglich die Eigenständigkeit - WELT
Der britische Mineralölkonzern BP hatte sich mehr als seine Wettbewerber der ökologischen Transformation verschrieben – und sich dabei womöglich verhoben. Jetzt steht der Konzern einem Bericht zufolge vor einer Übernahme durch Shell. Es wäre eine historische Zäsur auf dem Ölmarkt.
















