PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenSommergetränkZu viel Zucker? Egal – warum Capri-Sonne bis heute so beliebt istVeröffentlicht am 02.07.2025Lesedauer: 4 MinutenNach wie vor der Star jedes Sommers: 200 Milliliter Capri-Sun – seit 2017 auch in Deutschland unter diesem Namen, nachdem das Saftpäckchen früher „Capri-Sonne“ hießQuelle: picture alliance / ABBfotoVom Pausenbrot zur Party: Wer hätte gedacht, dass Capri-Sun zum It-Drink der Generation Z wird? Auf Instagram zeigen sich Influencer stolz mit dem Kultgetränk – steckt dahinter pure Nostalgie oder verändert sich unsere Trinkkultur gerade grundlegend?Große, starke und erfolgreiche Männer trinken Capri-Sonne. Das war die Botschaft einer legendären Werbekampagne, die der berühmte Getränkehersteller hinter dem süßen Saftmix in den 1970er-Jahren in die Welt hinaus sendete. Für TV-Spots engagierte die Firma, die ursprünglich 1931 in Eppelheim bei Heidelberg gegründet wurde, den Star-Boxer Muhammad Ali und machte damit ihre Drinks in den weichen Trinkbeuteln noch populärer.Heute könnte man sagen: Junge, schicke Frauen trinken Capri-Sonne – genauer gesagt Capri-Sun, wie das Getränk heute auch in Deutschland offiziell heißt. Zumindest auf Instagram sieht es manchmal so aus. Da postet die serbische Möbeldesignerin Ana Kraš, die für Firmen wie Hay arbeitet – aber auch für ihre Beziehung zu ihrem Ex-Freund, dem Musiker Dev Hynes bekannt wurde – ein Selfie mit „Mystic Dragon“-Geschmack-Tütchen in der Hand und Strohhalm im Mund.Nara Smith, eines der bekanntesten Gesichter der „Tradwife“-Influencer-Bewegung und Ehefrau des Männermodels Lucky Blue Smith, führte ihren 4,7 Millionen Followern vor, wie sie ihre Lieblingssorte „Multivitamin“ mit Ananas, Birnen, Kirschen und Orangen für ihre Kinder selbst zubereitet und sogar in durchsichtige Beutel mit der gleichen Form abfüllt. In Berlin sieht man auch schon mal Fans in den Menschenschlangen vor einer abendlichen Ausstellungseröffnung im Fotografiemuseum C/O Berlin, die anstatt mit Bier mit Capri-Sun vorglühen. Auf TikTok posten Fans Videos, in denen sie zeigen, wie man den Strohhalm unfallfrei in die Packung drückt und ihre Lieblingssorte küren.Lesen Sie auchCapri-Sun galt lange vor allem als Kindergetränk, als vermeintlich gesunde Vitaminbombe, die zum Käsebrot in die Lunchbox gepackt wurde. Längst sind es aber auch nostalgische Millennials, die zu Orange, Tropical oder Fairy Berry greifen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass das Unternehmen vor einigen Monaten das Comeback eines anderen Sortenklassikers ausrief: Cola ist wieder im Handel erhältlich – laut Firma eine Reaktion auf die Nachfrage der Kunden.„Capri-Sun Cola hat einen besonderen Platz in den Erinnerungen vieler Konsumenten“, wurde Judith Förster, Head of Marketing bei Capri-Sun, zitiert. „Die Wiedereinführung ist unsere Antwort auf die große Nachfrage nach vertrauten Geschmacksrichtungen. Dabei haben wir gezielt eine Rezeptur entwickelt, die den Charakter des Originals bewahrt und gleichzeitig den heutigen Erwartungen der Verbraucher entspricht.“Zu diesen Erwartungen, so würde man denken, gehört auch, dass ein Getränk möglichst gesund, kalorien- und zuckerarm sein sollte. Davon kann bei Capri-Sun keine Rede sein: Mit acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält die Orangenvariante nur minimal weniger Zucker als Coca Cola. Capri-Sun selbst inszeniert sich als gesund und nachhaltig, wirbt damit, keine Laktose, kein Gluten, keine Konservierungsstoffe und keine Geschmacksverstärker zu enthalten. 2024 lancierte das Unternehmen eine zuckerfreie Variante (mit Süßungsmitteln). Die Verpackung ist inzwischen vollständig recycelbar.Doch manche Dinge würde man dem Umweltschutz lieber nicht opfern: Im vergangenen Jahr sorgte der globale Chef von Capri-Sun, Roland Weening, mit der Aussage für Aufsehen, dass man die Plastikstrohhalme, die aufgrund einer EU-Verordnung durch Papierohrhalme ersetzt wurden, wieder einführen wolle. Die Kunden hätten sich über ein schlechteres Trinkerlebnis beklagt. Weening wollte dafür eine Ausnahmegenehmigung bei der EU-Kommission für den Schweizer Markt beantragen (der Unternehmenssitz befindet sich in der Schweiz).Dafür wurde auch eine Petition auf change.org gestartet, die bisher knapp 170.000 Stimmen gesammelt, aber noch keine Veränderung herbeigeführt hat.Lesen Sie auchAber Capri-Sun hat ja noch viele andere Produkte, die ganz ohne Strohhalm auskommen. Eine neue Kampagne, die vor allem die Gen Z anspricht, konzentriert sich auf das größere 330-Milliliter-Verpackungsformat mit integriertem Trinkröhrchen, das man wieder verschließen kann.In der Kampagne sieht man junge, gut aussehende Menschen, von der Sonne geküsst und vor Großstadtkulisse, die beim Arbeiten oder Ausgehen Capri-Sun trinken. Angesichts der Tatsache, dass junge Menschen zwischen zwölf und 25 Jahren immer weniger Alkohol trinken – so eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2024 – ist das kein unrealistisches Szenario.Um die sechs Milliarden Beutel verkauft Capri-Sun pro Jahr in über 100 Ländern. 2021 erzählte der Eigentümer des Unternehmens, der Milliardär Hans-Peter Wild, dem „Manager Magazin“, in Deutschland habe man über Monate zweistellige Wachstumsraten verzeichnet.Ob es die Nostalgie ist, das gut gelaunte Design oder einfach die Lust auf ein erfrischendes, fruchtiges Getränk ohne Alkohol – die Capri-Sonne bleibt beliebt.
Vom Pausenbrot zur Party – Warum plötzlich alle wieder Capri-Sonne trinken - WELT
Vom Pausenbrot zur Party: Wer hätte gedacht, dass Capri-Sun zum It-Drink der Generation Z wird? Auf Instagram zeigen sich Influencer stolz mit dem Kultgetränk – steckt dahinter pure Nostalgie oder verändert sich unsere Trinkkultur gerade grundlegend?






