Heidi Klum zwischen ihren „Topmodel“-Siegern Moritz und DanielaQuelle: (c) ProSieben/Daniel GrafDas Finale zur Jubiläumsstaffel von „Germany's Next Topmodel“ dauerte ewig weilende vier Stunden. Es sollte Wettkampf und gemeinsames Bad in Nostalgie zugleich sein. Das funktionierte nicht. Die Finalisten konnten einem leid tun. Gewonnen haben Daniela und Moritz.Zum Abgleich, ob man völlig falsch mit seiner Verzweiflung über das Finale der Jubiläumsstaffel von „Germany's Next Topmodel“ ist, hilft ein Blick auf X unter dem Hashtag #gntm. Da schrieb ein User um 21.57 Uhr, die Show lief also schon 90 Minuten: „DIGGGGGAAAAHHHHH kann‘s mal weiter gehen?“ Es war eine der Fragen, die sich wohl jeder Zuschauer alle paar Minuten gefühlt stellte. Eigentlich die ganzen vier Stunden lang, bis kurz vor Mitternacht. Finals bei GNTM haben, wie der Pokalwettberwerb im Fußball, ihre eigenen Gesetze. Aber dieses Finale war nochmal besonders eigen. Und besonders unerträglich. Ein SchadensberichtKurz, um der Chronistenpflicht zu genügen: Gewonnen haben das Finale bei den Frauen: Daniela, 20, eine blonde Frau mit ausgeprägten Grübchen aus Ostfildern. Und bei den Männern, die zum zweiten Mal ihr eigenes „Topmodel“ von Heidi Klum bekamen: Moritz, 19, ein ebenfalls blonder Flacheuphoriker aus Berlin. Die zweiten Plätze gingen jeweils nach Wien, an Pierre, 22, und Magdalena, 21. Auch Pierre hätte den Sieg verdient gehabt, die männlichen Kandidaten waren in dieser Staffel wirklich gut, insgesamt auch besser als die Frauen. Die Entscheidungen, wer „Topmodel“ wird, wer Zweite(r) oder Dritte(r) (Zoe, 19, aus Pulheim, und Jannik, 22, aus Bad Segeberg), fiel ganz offensichtlich aber nicht am Finalabend. Konnte es einfach nicht, objektiv. Dazu war mehr als offensichtlich keine Zeit. Nie war eine Finalsendung daher egaler als GNTM 2025. Zumindest für die Finalisten. Die Urteile wurden kein einziges Mal mit auch nur einem Wort begründet. Alle Juroren fanden, durchs Programm gehetzt, immer alles super. Und dann sprach Heidi Klum ihr Urteil. Ohne Erklärung.Hauptgrund für das FiaskoAm Abend des „großen Finales“ (Heidi Klum) der 20. Staffel, das zugleich die „Geburtstagsshow“ (Klum) und die „große Familienfeier“ (Thomas Hayo) für das GNTM-Format sein sollte, zeigte sich aber nicht nur an den Urteilen, sondern in jeder Minute, jeder Szene, dass beides in einen Abend zu packen eine schlechte Idee war. Statt Two-in-one wurde aus beidem nichts. Eigentlich ist es ja eine nette Idee und war auch in Momenten interessant zu sehen, was heute aus den Siegerinnen von einst geworden ist: Alle bisherigen Siegerinnen und der eine Sieger (seit 2024 gibt es auch das reine Männercasting) liefen noch einmal den Catwalk entlang, wurden zudem im Laufe des Abends irgendwann einmal auf die große, beige Couchlandschaft neben Klum gebeten, um „kurz“ zu sagen, wie es ihnen ergangen ist und was sie heute grob machen. Aber das dauerte, natürlich. Zumal praktisch jede Ex-Siegerin die Gelegenheit nutzen wollte, um vor Millionenpublikum auch für ihren Podcast, ihr Buch, ihre aktuelle Charity zu werben. Das allein wäre schon Abend-sprengend gewesen, aber zudem saßen auch noch Ex-Teilnehmerinnen im Publikum, die zwar nicht gewonnen haben, aber nach der Show verhaltensauffällig genug gewesen waren, um eingeladen und befragt zu werden – etwa die Trash-Queens Sarah Knappik (kaum mehr wiederzuerkennen) und Gina-Lisa Lohfink (dank plastischer Chirurgie auch nicht). Die Interviews erledigte – Minuten des Fremdschämens – Ex-Laufstegtrainer Bruce Darnell. Lesen Sie auchNächstes Problem: Das Finale wird, als einzige Folge von GNTM, live gesendet, in dem Fall aus dem Coloneum in Köln. Es vereinte in diesem Fall alle Nachteile einer Liveshow und ließ alle Vorteile vermissen: Es gab also kein Witz, keine Überraschungen, keine spontanen Aktionen, keine echt wirkenden Gefühle. Dafür – leider – viele Längen, schlechte Übergänge, missglückte Gags, eine Deko, die vor allem billig aussah, uninspirierte Interviews, geführt von Menschen wie eben Darnell, die dazu kein Talent haben. Und es gab keinen einzigen Gast, der sich eine wirklich interessante Antwort oder Story vorher zurechtgelegt hätte, die er oder sie an dem Abend zum Besten geben konnte (wie es etwa Pflicht ist für Gäste in US-Talkshows). All diese leider unfassbar öde inszenierten Was-haben-wir-alles-zusammen-erlebt-Geschichten vernichteten einen Großteil der Zeit, die die Finalisten gebraucht hätten (nicht mehr nur drei Frauen, sondern ja drei Frauen und drei Männer), um wirklich noch einmal zu glänzen und einen Sieg nachvollziehbarer zu machen. So wurden die letzten Aufgaben quasi durchgepeitscht, für eine Bewertung nahm sich niemand Zeit. Alle waren für alle super. Also: Alles allen egal. Lesen Sie auchWas sich geändert hat: Drei „Girls“ waren im Finale von Staffel 20 und drei „Boys“, wie das bei Heidi heißt. Alle jung, zwischen 19 und 22, alle schlank, alle gut und die meisten sogar interessant aussehend. Klum, immer hart am Zeitgeist, kehrte zurück zu den Wurzeln. Best Ager oder Plus Size-Kandidatinnen oder Kandidaten, auch das Thema Diversity, in den vorherigen Staffeln noch ganz groß und prägend, spielten 2025 nahezu keine Rolle. Gerade einmal zwei „ältere“ Frauen waren etwa unter den weiblichen Kandidaten – und beide waren auch schnell weg. Was fehlte: Geld, ganz offenbar. „Wir müssen sparen, wir hatten kein Geld für eine Air Condition“, sagte Heidi Klum einmal zu ihrem Ehemann Tom Kaulitz. Und tatsächlich sah man an allen Ecken: ProSieben muss sparen – und die Produktionsfirma damit auch. Keine internationalen Musiksuperstars wie früher auf der Bühne (die Bühne sah zudem billig aus). Stattdessen gut abgehangene Musical-Ware als günstiges Gegengeschäft (Auftritt gegen Werbung). Eröffnet wurde mit „Lady Marmelade“, gesungen und getanzt von Akteuren des Musicals „Moulin Rouge“, zum Abschlusswalk der beiden männlichen Finalisten durfte der unkaputtbare Bochumer Starlight Express nochmal über den Catwalk rollen. Einzig Naomi Campbell rettete etwas internationalen Flair. Was geblieben ist: die hohlen Phrasen der Kandidaten, mit denen sie „das Business“ beziehungsweise die eigene Entwicklung während GNTM zu beschreiben versuchen („Es ist eine unglaubliche Reise...“). Ebenso Klums Geschäftstüchtigkeit und der bei ihr übliche Nepotismus: Tochter Leni saß auch im Finale wieder in der Jury; Ehemann Tom durfte mit Bruder Bill den neuen Song ihrer Band Tokio Hotel im Finale „performen“, auf die Netflix-Doku der beiden hinweisen und alle Tourdaten des Sommers aufsagen. Immerhin wurde (wieder) klar – die Gerüchte sprach Heidi selbst direkt an–, dass Leni zumindest bei GNTM nicht in die Fußstapfen ihrer Mutter treten wird, selbst wenn sie das wollte. Leni – sie ist in L.A. aufgewachsen – versteht zwar alles, was ihre Mutter auf Deutsch sagt, fühlt sich darin aber nicht sicher und antwortet lieber auf Englisch. Für eine Moderatorin wäre das aber einfach zu wenig. Häufigst gesagter Satz des Abends: „Ich bin dir super dankbar, Heidi, dass Du mir die Chance gegeben hast.“ (von Ex-Siegerinnen)Lesen Sie auchHäufigst gedachter Satz des Abends: „Ich bin dir super dankbar, Heidi, dass Du mir die Chance gibst, hier für mein Buch, meinen Podcast, mein Charityprojekt zu werben.“ (von den gleichen)Fun Fact: die Leuchtstreifen, die bei der Vorauswahl, wer von den je drei Finalkandidaten als Erstes gehen musste (wenn einer anging, war der oder diejenige weiter), erinnerte stark an Michael Schanzes Kinderquizshow „1,2 oder 3“ („Du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei...“, die Älteren werden sich erinnern). Guter Moment: Jennifer Hof, Siegerin Staffel drei, erzählt, sie sei damals „zu jung“ für den Sieg und das Business gewesen. Sie habe rasch wieder aufgehört, eine Lehre gemacht, sei heute Steuerfachangestellte, habe zwei Töchter und einen Sohn und lebe „super entspannt“ mit ihrem Mann in Schweden.Beste, aber auch einzige Szene, die absolut auf den Punkt war: Die Siegerin von 2007, Barbara Meier, sitzt neben Heidi auf der Gästecouch und rät allen jungen Mädchen: „Lasst Euch nicht operieren, bleibt bitte, wie ihr seid!“. Kameraschnitt auf die voll-operierte Gina-Lisa Lohfink.