PfadnavigationHomePanorama„Maischberger“G-7-Gipfel ohne Trump? – „Kaum war Papa weg, haben sie alle aufgegeben“Von Kristoffer FilliesVeröffentlicht am 18.06.2025Lesedauer: 6 MinutenKolumnist und Journalist Hans-Ulrich Jörges bewertet den G-7-GipfelQuelle: © WDR/Oliver ZiebeBei „Maischberger“ berichtet Greencard-Inhaber Fabian Schmidt von seinen zwei Monaten im US-Hochsicherheitsgefängnis. Der Kolumnist Hans-Ulrich Jörges glaubt, die verbliebenen Staaten auf dem G-7-Gipfel hätten nach der vorzeitigen Abreise der US-Delegation eine Chance verpasst.Gerade noch tagten die wirtschaftsstarken G 7 in Kanada. Doch in Wahrheit müsste man von den G 6 sprechen, denn Donald Trump ist bereits vor einigen Tagen wegen der eskalierenden Spannungen zwischen Iran und Israel abgereist. Und auch in den USA selbst verschärfte sich die Lage innenpolitisch. Der ARD-Politiktalk „Maischberger“ nahm das Geschehen rund um Donald Trump am Dienstagabend genauer unter die Lupe.Ein Fall sorgte dabei für besondere Aufmerksamkeit: der des deutschen Staatsbürgers Fabian Schmidt. Der Greencard-Inhaber berichtete von seiner Inhaftierung in einem US-Hochsicherheitsgefängnis, wegen angeblicher Probleme mit seiner Einwanderungserlaubnis. „Ich wurde behandelt wie ein Mörder oder Vergewaltiger“, sagte Schmidt, der seit 18 Jahren in Washington, D.C. lebt.Die Juristin und USA-Expertin Sandra Navidi ordnete die Abschiebungen und Abschiebungsversuche ein und berichtete von weiteren rechtstaatsverletzenden Maßnahmen der Trump-Regierung. Die Journalisten Katharina Hamberger („Deutschlandfunk“), Matthias Deiß (ARD) und Kolumnist Hans-Ulrich Jörges kommentierten die politische Lage in den USA, den Iran-Krieg und die Wirtschaftslage in Deutschland. Am Ende der Sendung blickte der ehemalige Unternehmens- und Politikberater Roland Berger auf die aktuelle Wirtschaftslage und attestierte Kanzler Merz für die ersten fünf Wochen „einen guten Eindruck.“Vor Trumps vorgezogener Abreise hätten die anderen G-7-Staaten – Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada – dem US-Präsidenten bezüglich umfangreicherer Ukraine-Hilfen ins Gewissen geredet, sagte ARD-Journalist Matthias Deiß. In diesem Punkt gebe es noch gemeinsame Werte, sagte er. „Aber am Ende ist es so, ohne die USA kommt man nicht so weit wie mit den USA.“Kolumnist Hans-Ulrich Jörges wünschte sich, es wäre der Gründungsakt von G 6 geworden, als Trump weg war. „Aber das ist nicht passiert. Kaum war Papa weg, haben sie alle aufgegeben.“ Offenbar habe es nichts mehr zu besprechen gegeben, Kanzler Friedrich Merz etwa habe nur noch Interviews gegeben. „Die wahre Gründung Europas kommt nicht voran, weil sie den Mut nicht aufbringen, sich von Trump zu lösen“, kritisierte er.Lesen Sie auchBundeskanzler Friedrich Merz befindet sich aktuell noch in Kanada, mit WELT führte er ein Interview zum Iran-Konflikt, Putin und die Ukraine und die G7-Erkenntnisse. Nach den Raketenangriffen zwischen Israel und Teheran bezeichnete Merz den Iran als „Terrorregime“, das ein schnelles Ende finden sollte und sagte zudem, Israel mache im Iran die „Drecksarbeit für uns alle.“„Es herrscht eine Angst gegen die Willkür des Staates“Über die aktuellen Ereignisse in den USA sprach Sandra Maischberger mit der Rechtsanwältin und USA-Expertin Sandra Navidi. Zugeschaltet wurde dabei der deutsche Staatsbürger Fabian Schmidt, der ab März für zwei Monate zur Abschiebehaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Boston saß.„Es herrscht eine Angst gegen die Willkür des Staates“, sagte Navidi, die die deutsche und US-amerikanische Staatsbürgerschaft hat. Touristen und legale Einwanderer würden direkt an der Grenze festgenommen, manche würden verschwinden. „Das jagt uns allen Angst ein.“Die spürte auch Fabian Schmidt. Nach einem Familienbesuch in Deutschland sei er am Flughafen festgesetzt worden, berichtete er bei „Maischberger“. Die Behörden hätten ihm den Pass und seine Greencard abgenommen. „Ich durfte mit niemandem sprechen, nicht mal mit der Botschaft – fünf Tage lang“, berichtete Schmidt. Erst nach sieben Tagen habe Deutschland erfahren, dass er in Haft sei. Er sei mit Grippe 18 Stunden lang auf einem Stuhl gesessen, später im Badezimmer ohnmächtig geworden, ins Krankenhaus gebracht und von dort direkt in ein Hochsicherheitsgefängnis überführt worden – für knapp zwei Monate. Die Haftbedingungen seien extrem gewesen: „Man sieht die Sonne nicht. Es gibt keine Fenster.“Jeden Tag habe er ein Dokument unterschreiben sollen, das seine Abschiebung besiegelt hätte. „Das wollte ich aber nicht“, sagte Schmidt. Noch Wochen nach seiner Freilassung fühle er sich in den USA nicht mehr sicher.Es gebe noch zahlreiche weitere solche Fälle, meinte Sandra Navidi. „Auf jeden Fabian kommen Hunderte Fälle, die nicht in die Nachrichten kommen.“ Die Juristin sagte, das alles sei rechtsstaatlich nicht gedeckt, „viele Menschen werden illegal deportiert.“ Die Situation in den USA sei ein „Pulverfass, weil Donald Trump die Gewaltenteilung durchbricht.“ So könne Trump nach dem Gesetz nicht einfach das Militär für polizeiliche Aufgaben anwenden und in die Bundesstaaten schicken, sagte Navidi. „Dennoch hat Trump das getan.“Die Protest-Parade anlässlich der Militärparade am Geburtstag von Donald Trump bewertete Navidi zwiegespalten. „Natürlich ist das löblich, aber was bringt das unterm Strich?“ So hätten die Demokraten keine Macht im Kongress, auch die Politiker der Republikaner würden dem Tun von Trump nichts entgegensetzen.„Ich denke, es ist schon ein bisschen sehr spät in diesem Prozess. Ich denke, wir sind schon in einem autoritären Staat mehr oder weniger“, sagte sie. So würde die Trump-Regierung bereits Gerichtsurteile missachten. „Ich denke, Trump wird weiter Gewalt provozieren, auch unter der Bevölkerung, damit er weiter das Militär anwenden kann.“Deutschland laut Roland Berger technologisch längst abgehängtMit dem ehemaligen Unternehmens- und Politikberater Roland Berger sprach Maischberger über den Zustand der deutschen Wirtschaft. Die schwarz‑rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz hatte sich einen tief greifenden Wirtschaftswandel auf die Fahne geschrieben. Ende Mai beschloss der Koalitionsausschuss ein „Sofortprogramm“ für die Wirtschaft, mit Maßnahmen etwa zum Bürokratieabbau oder zur Entlastung bei Steuern, Energie- und Stromkosten. Mit einem 500‑Milliarden‑Sondervermögen für Infrastruktur über zehn Jahre, darunter 100 Milliarden für Klimaschutz und Wirtschaftstransformation.„Wir stehen nicht gut da“, resümierte Roland Berger den aktuellen wirtschaftlichen Stand Deutschland. So sei die Bundesrepublik technologisch längst abgehängt, seit fünf Jahren habe es kein wirkliches Wachstum mehr gegeben. Zudem sehe er eine schlechte Stimmung in der deutschen Bevölkerung, die wenig veränderungsbereit sei und wenig Mut habe. „Es gibt viel in unserem Land zu reparieren“, sagte Roland Berger.Aber: „Das Sofortprogramm und weitere Maßnahmen haben in der Wirtschaft schon die Stimmung gedreht“, sagte er. Auch die Institute hätten das erwartete Wirtschaftswachstum für dieses Jahr und auch 2026 bereits angehoben. „Ich glaube, das kann was werden.“Kanzler Friedrich Merz mache für den langjährigen Unternehmens- und Politikberater Berger in den ersten „fünf Wochen einen guten Eindruck.“ Er finde es absolut richtig, dass der Kanzler die ersten Wochen genutzt habe, international Präsenz zu zeigen. Merz und er hätten Kontakt, verriet Berger, „wir telefonieren gelegentlich.“ Politisch berate er den Kanzler aber nicht, meinte der 87-Jährige.Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist Roland Berger in der Vergangenheit mehrfach begegnet und bescheinigte ihm bei Maischberger einen „intelligenten, sehr kalten, disziplinierten und durchaus auch brutalen Eindruck.“ Putin habe eine klare Vision, wolle den Westen klein machen und das russische Großreich wieder aufrichten, meinte Berger. „Der Mann weiß, was er wirklich will.“ Dann blickte Berger zum US-Präsidenten: „Wenn ich mir Trump angucke, weiß ich nicht, was er wirklich will, außer vielleicht selbst Autokrat werden.“
G-7-Gipfel ohne Trump? – „Kaum war Papa weg, haben sie alle aufgegeben“ - WELT
Bei „Maischberger“ berichtet Greencard-Inhaber Fabian Schmidt von seinen zwei Monaten im US-Hochsicherheitsgefängnis. Der Kolumnist Hans-Ulrich Jörges glaubt, die verbliebenen Staaten auf dem G-7-Gipfel hätten nach der vorzeitigen Abreise der US-Delegation eine Chance verpasst.












