Zwei Besucher stehen am Montagmittag vor dem Elefantengehege und lesen den Aushang, der hier erst vor wenigen Minuten provisorisch aufgehängt wurde. Es ist eine Mitteilung, dass Jung-Elefant Otto verstorben ist, an den Folgen einer Herpes-Infektion, die für diese Tiere lebensbedrohlich sein kann. „Elefanten trauern, oder?“, fragt die Frau ihren Partner, der nickt. Ob die beiden Besucher auch trauern, ist nicht eindeutig erkennbar. Und wenn man in das Gehege blickt, ist die Szenerie auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden von etwa einem Sommertag vor einer Woche, als Otto noch mit der gesamten Elefanten-Schar des Münchner Zoos zusammen über die Außenanlage trottete. Der Bulle Gajendra ist an diesem Montag nicht zu sehen, was allerdings oft der Fall ist, die übrigen Tiere laufen herum. Trauer ist also nicht zu sehen, zu hören allerdings schon, und zwar mindestens bei den Zoo-Angestellten.