So unterscheiden sich Diktatoren: Wladimir Putin setzte sich ins Mini-U-Boot, in einen Kampfjet, hoch aufs Pferd. Alexander Lukaschenko posiert gern auf einem Kartoffelacker. Wenn Ernte ist, ist für ihn die Zeit guter Bilder. Der belarussische Machthaber in kurzer Hose, T-Shirt und Sandalen, er wirft Kartoffeln in einen Eimer, schleppt einen schweren Sack übers Feld. Mit dabei die Fotografen des belarussischen Präsidialamtes.
Für Lukaschenko sind solche Fotos wichtig. So will er den Menschen in Belarus zeigen, dass er mit anpackt, dass er einer von ihnen ist. Vor allem in der ersten Phase seiner langen Herrschaft kam er damit an. Lukaschenko hatte früher mal einen landwirtschaftlichen Betrieb geleitet, eine Sowchose, vor allem die Bevölkerung auf dem Land nahm ihm die Bilder von der Ernte ab. Belarus ist ein Agrarstaat, und die Kartoffel für das Land ein besonders wichtiges Symbol. Man nennt sie dort „zweites Brot“. Schlecht also, wenn es daran plötzlich mangelt.
Innerhalb eines Jahres hat sich Anbaufläche halbiert
In den vergangenen Wochen und Monaten haben Belarussen immer wieder darüber geklagt, dass sie in Geschäften und auf Märkten kaum noch gute Kartoffeln fanden. Klein seien sie, mit vielen schlechten dunklen Stellen, teuer, manchmal fehlten sie auch ganz. Im Internet zeigten Belarussen auf Videos ihren Frust beim Einkauf, filmten leere Supermarktkisten und Kartoffeln, an denen sie viel wegschneiden müssten. Umso mehr gefeiert wurde im Netz das Tiktok-Video eines anonymen belarussischen Landwirts, dem mit seiner Sorte „Riviera“ mal ein überraschender kleiner Ernteerfolg gelang.






