Zu sehen sind sie nicht. Aber für geübte Ohren zu hören. „Da sind zwei Geißen drin, die fressen“, sagt Adolf Krauß und meint Rehe hinter der Hecke. Für den Mann mit der altmodischen Digitalkamera in der Hand sind die Tiere so etwas wie gute Bekannte und Nachbarn. Er wohnt selbst seit mehr als 70 Jahren in der Mooslandschaft im Norden von Ismaning, die an diesem sonnigen Tag wie von den Menschen vergessen zu sein scheint. Alleine der Sendeturm des Bayerischen Rundfunks bietet zwischen Wiesen, Feldern, Hecken und Baumreihen Orientierung.

Die wenigen Leute, die wie Krauß im Moos nördlich von Ismaning leben, hat die Nachricht aufgeschreckt, dass die Stadtwerke München (SWM) im Umfeld des Sendemastes auf einem 43 Hektar großen Areal Freiflächen-Photovoltaikanlagen planen. Die Module sollen auf vier Teilstücken zusammengerechnet ein Gebiet belegen, das dem Ausmaß von 61 Fußballplätze entspricht. Dazu ist ein Umspannwerk mit Batteriespeicher geplant. Die Anlage wäre mit 50 Megawatt Spitzenleistung bei Weitem die größte ihrer Art im Landkreis München und könnte rechnerisch an die 20 000 Haushalte versorgen.

Derzeit läuft das Verfahren, um den Flächennutzungsplan der Gemeinde zu ändern. Und schon regt sich Protest: Bereits in der ersten öffentlichen Auslegung haben sich Bürger kritisch geäußert. Auch anonyme Schreiben haben das Rathaus erreicht. Die Sorge geht um: Pflastern die Münchner das Umland mit Modulen zu?