In manchen Fällen kann es nützlich sein, die Welt von oben zu betrachten. Etwa von der Spitze des Eiffelturms. Dann sieht man, wie winzig alles ist, sagt Coco Gauff, man ahnt, dass jeder Mensch sich mit weit schwerwiegenderen Problemen herumschlägt als einem verlorenen Finalspiel auf einem Tennisplatz. „Und egal, wie groß die Enttäuschung ist: Am nächsten Tag geht die Sonne wieder auf, unabhängig vom Ergebnis“, sagt sie. „Gerade in einer Stadt wie Paris.“

Es klingt wie ein banales Kapitel aus der Schule des Lebens. Aber Coco Gauff spricht von einer existenziellen Erfahrung, die sie im Alter von 18 Jahren erlebte. Zum ersten Mal in ihrer jungen Karriere hatte sie damals erreicht, was vorhergesagt worden war, seit sie als 15-jähriges Mädchen aus Florida auf dem Rasen von Wimbledon zum Auftakt die große Venus Williams geschlagen und ihr dann schüchtern die Hand geschüttelt hatte. „Der Himmel steht ihr offen“, lautete Williams’ Prophezeiung. Und dann stand Coco Gauff drei Jahre später, an einem Samstag im Frühling 2022, im Endspiel der French Open auf dem Sand des Court Philippe-Chatrier – und ging sang- und klanglos unter: 1:6, 2:6, gegen die Polin Iga Swiatek.

Frauen-Halbfinals der French Open