Erfurt (dpa/th) - Meist friedlicher Protest, aber auch Sitzblockaden und einzelne Verletzte: Mehr als 31.000 Menschen haben sich nach Polizeiangaben in Erfurt an Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag beteiligt. Die Bündnisse „Zusammenstehen“ und „Widersetzen“, die Kundgebungen, Demonstrationszüge und Blockaden organisierten, sprachen von etwa 50.000 Teilnehmern, die bundesweit anreisten. Die Polizei, die mit mehreren Tausend Beamten im Einsatz war, bekräftigte am Sonntag einen „überwiegend friedlichen Verlauf“ des tausendfachen Protests. „Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut“, hatte Innenminister Georg Maier bei einer ersten Zwischenbilanz gesagt. Polizeipräsident Thomas Quittenbaum würdigte am Sonntag Professionalität und Engagement der Einsatzkräfte. Er dankte den vielen Menschen, „die ihr Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit friedlich wahrgenommen haben“. Es sei deutlich geworden, „dass ein respektvoller und friedlicher Protest möglich ist“. AfD-Delegierte schon im Morgengrauen unterwegs Die Polizei hat sich nach Angaben von Maier generalstabsmäßig über Wochen auf den Großeinsatz vorbereitet, um sowohl der AfD, als auch den Demonstranten das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu ermöglichen. Unterstützt wurde sie von Beamten aus nahezu allen Bundesländern sowie der Bundespolizei. Sie schickte auch Wasserwerfer, die nicht eingesetzt wurden. Insgesamt wurden laut Polizei 65 Straftaten und 13 Ordnungswidrigkeiten registriert - Sachbeschädigungen, Körperverletzungen sowie Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Elf Polizeibeamte seien leicht verletzt worden. Im Vorfeld hatte es nach Aufrufen im Internet Befürchtungen gegeben, dass es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen könnte. Das Bündnis „Widersetzen“ sprach von den größten Blockaden, die „wir je auf die Beine gestellt haben“. 17 000 Menschen hätten sich an Blockaden beteiligt, die es an verschiedenen Stellen in der Landeshauptstadt, aber auch auf Zufahrtsstraßen gab. Die Autobahn A71 bei Erfurt war über Stunden von Aktivisten blockiert. Trotz der Blockaden erreichte ein Großteil der AfD-Delegierten ab 4.00 Uhr das Messegelände, wo der Parteitag pünktlich um 10.00 Uhr begann. AfD-Chef Tino Chrupalla eröffnet den Parteitag mit Spott: „Der frühe Vogel fängt den Wurm (...) die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen.“Friedlicher Protest in Erfurt Heiko Rebsch/dpaBunter Protest auf dem Messegelände Während in der Messehalle Alice Weidel und Tino Chrupalla als Spitzenduo wiedergewählt wurden, versammelten sich zahlreiche Menschen vor der Messe - am Nachmittag waren es dort laut Polizei bis zu 15.000 Menschen. Auf Transparenten der Teilnehmer stand unter anderem „Stoppt die Brandstifter“, „Stoppt die AfD“, ausgerollt wurde eine riesige Regenbogenfahne. Ein Kleinflugzeug flog über das Gelände mit einem Banner „Nazis nerven“.Bei der Kundgebung sprachen etwa Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), DGB-Chefin Yasmin Fahimi, Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und ein Nachfahre der jüdischen Familie Simson. „Haltet den Namen Simson aus der Politik heraus“, forderte Dennis Baum auf dem Messegelände. Seine Familie sei bis heute jüdischen Glaubens. Das passe nie mit dem Programm der AfD zusammen, sagte der 82-Jährige. Fahimi verlangte, ein Verfahren zum Verbot der AfD müsse jetzt aus den Ländern heraus auf den Weg gebracht werden. Der aus Erfurt stammende Bundesumweltminister Carsten Schneider lobte den Zusammenhalt der Demonstranten. An mehreren Stellen in und um Erfurt wurden Sitzblockaden organisiert. Jacob Schröter/dpaVereinzelt Pfefferspray und Zwang durch PolizeiDie Polizei reagierte nach Angaben eines Sprechers vereinzelt mit Zwang auf Durchbruchsversuche bei Absperrungen oder Tätlichkeiten. Die Vorfälle vom Samstag würden analysiert. Bei einer Blockade der Autobahn A 71 bei Erfurt durch Aktivisten habe es einen Schlagstockeinsatz gegeben. Videos dazu lägen vor. Mehrfach sei Pfefferspray eingesetzt worden, wenn Beamte von Demonstranten stark bedrängt worden seien. Beim Versuch von Demonstranten, eine Absperrung im Ortsteil Frienstedt zu durchbrechen und Polizisten anzugreifen, hätten Einsatzkräfte körperliche Gewalt einsetzen müssen. Es bestehe der Verdacht auf Landfriedensbruch. Bei den Protesten kam es auch zu mehreren Angriffen auf Medienschaffende, die Polizei nahm die Ermittlungen auf. „Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten werden von uns konsequent verfolgt.“ Es sei während des Einsatzes zu Übergriffen gekommen, „insbesondere auf Livestreamer.“ Zwei Streamer seien aus einer Gruppe von Demonstranten heraus verfolgt und angegriffen worden, ein Dritter sei bei der Kundgebung vor dem Tagungsort der AfD bedrängt, aber nicht verletzt worden, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion. Für welches Medium die betroffenen Reporter im Einsatz waren, sagte die Polizei mit Hinweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht. Das Portal „Apollo News“ berichtete, eines seiner Reporterteams sei von Demonstranten attackiert worden. Zudem wurden zwei Journalisten durch Flaschenwürfe verletzt. Ob es sich bei den Vorfällen um dasselbe Ereignis handelt, wurde auch am Sonntag zunächst nicht bestätigt.© dpa-infocom, dpa:260705-930-337150/1

Hier finden Sie Informationen zu dem Thema „Tausende Polizisten im Einsatz“. Lesen Sie jetzt „Appell gegen Gewalt: Massenprotest begleitet AfD-Parteitag“.

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